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Bogenschießen => Historisches => Thema gestartet von: Absinth am 22.04.19, 13:11

Titel: Der Bogen als Grabbeilage in der Historie (zunächst)...
Beitrag von: Absinth am 22.04.19, 13:11
Was mich so seit einiger Zeit als Frage umtreibt ist...

Wurde der Bogen, als Grabbeilage, im gespannten und/oder im ungespannten Zustand der zu bestattenden Person beigelegt?

Welche Erkenntnisse / Informationen / Aussagen etc. gibt es dazu?


Schon mal danke für eure Antworten - österliche Grüße vom Absinth.
Titel: Re: Der Bogen als Grabbeilage in der Historie (zunächst)...
Beitrag von: AST am 23.04.19, 14:37
Gab es denn schon mal einen Grabfund, bei welchem ein gespannter Bogen gefunden wurde?
Titel: Re: Der Bogen als Grabbeilage in der Historie (zunächst)...
Beitrag von: Karly am 23.04.19, 15:01
Ich hab ja keine Ahnung... Aber..

Warum sollte man einen Bogen aufgespannt mitgeben ? Welchen Sinn würde das ergeben aus der Technischen Seite und welche aus der Spirituellen?

Titel: Re: Der Bogen als Grabbeilage in der Historie (zunächst)...
Beitrag von: Corax am 23.04.19, 18:59
Wäre in der Tat unlogisch.

Der Tod wurde häufig (wenn nicht sogar immer) als Reise begriffen und auf der Reise wurden Bögen abgespannt.
Habe trotzdem gerade nochmal den Junkmanns durchgestöbert und keine Fundzeichnung gefunden, die auf eine aufgespannte Beigabe schließen ließe.
Titel: Re: Der Bogen als Grabbeilage in der Historie (zunächst)...
Beitrag von: doralf.vom.wald am 23.04.19, 20:45
Also ich würde meinen Bogen auch abgespannt in die Kiste mitnehmen für meine historisch korrekte Darstellung "toter Bogenschütze/Krieger". Die andere Frage wäre: was verrottet schneller, die Sehne oder das Bogenholz? Ich geh mal davon aus dass das die Sehne ist und dann findet man nur "entspannte" Bögen. Bloß mal so als Anregung, grundsätzlich aber interessant.

Grüßle
Doralf
Titel: Re: Der Bogen als Grabbeilage in der Historie (zunächst)...
Beitrag von: roscho am 23.04.19, 21:30
Die Sehnen waren ja ,,damals" aus Pflanzenfasern, Tiersehnen oder Seide (je nach Kulturregion) die sehr schnell verrotten.
Meines Wissens gibt es überhaupt keine Grabfunde mit Sehnenmaterial, also auch keinen Hinweis ob die Bögen gespannt oder abgespannt beigegeben wurden.
Man ist ja schon froh wenn man Holzreste findet die auf Bögen hindeuten (auch bei Kompositbögen ist das Horn normalerweise weg.

Der deutlichste Hinweis sind immer die Pfeilspitzen aus Stein oder Metall.
Titel: Re: Der Bogen als Grabbeilage in der Historie (zunächst)...
Beitrag von: Uller am 24.04.19, 00:10
Viele Funde antiker Bögen sind in Jürgen Junkmanns Buch "Pfeil und Bogen" beschrieben...

Wie roscho schon schreibt, gibt es keine Funde von Sehnematerial...allerdings zahlreiche gut datierbare Hölzer und deren Fragmente...


Bei vielen mitteleuropäischen Kulturen wurden Waffenbeigaben rituell verbogen oder zerbrochen beigegeben....somit wohl auch kaum gespannte Bögen....
Titel: Re: Der Bogen als Grabbeilage in der Historie (zunächst)...
Beitrag von: Corax am 24.04.19, 00:52
Ich habe jetzt nicht alle von Junkmanns beschriebenen Funde nachgesehen, aber:

Die meisten Bogenfunde stammen aus Mooren und sind fast immer gebrochen. Manchmal vorsätzlich vorab, häufig im Sediment oder bei der Bergung - die ja nicht immer durch Archäologen erfolgte, sondern schon eher in der Regel durch Torfstecher. Jedoch sind die allermeisten Bögen noch recht gerade geblieben. Wenn ich einen aufgespannten Bogen dauerhaft in ein feuchtes Millieu gebe, dürfte eher das Holz der Spannung nachgeben und einen heftigen Set bekommen, anstatt zu brechen, oder?

In Gräbern waren allermeistend nur Pfeilspitzen, Köcherbeschläge, Armschutze etc. erhalten. Organische Materialien nur in Kontakt mit Metallteilen (konservierende Wirkung der Metallsalze) also z.B. Schaftreste in Spitzen, Birkenrinde an Köcherbeschlägen etc.

Eine Grabbeigabe  in Feuchtboden (Fallward) ist definitif abgespannt erfolgt. Der Langbogen war bei Fund schnurgerade.
Auch die erhaltenen Bögen aus dem Gräberfeld  bei Oberflacht sind relativ gerade (mit leicht deflexer Biegung), was auf abgespannten Zustand deutet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gräberfeld_von_Oberflacht#/media/File:Die_Grabfunde_von_Oberflacht.TafelX.jpg

Titel: Re: Der Bogen als Grabbeilage in der Historie (zunächst)...
Beitrag von: Simon Thumb am 24.04.19, 13:37
Zitat von: roscho am 23.04.19, 21:30Meines Wissens gibt es überhaupt keine Grabfunde mit Sehnenmaterial, also auch keinen Hinweis ob die Bögen gespannt oder abgespannt beigegeben wurden.

Schau mal Richtung Altaigebirge/Mongolei. Dort gibt es spektakuläre Funde.
Zargalant: Sehnenrest an einem Wurfarmende
Duguj Cachir: Ein erhaltener Wurfarm mit einer halben Sehne (Rohhaut o. Leder)
Cagaan Chad: Ein noch immer aufgespannter Bogen!
...
Titel: Re: Der Bogen als Grabbeilage in der Historie (zunächst)...
Beitrag von: roscho am 24.04.19, 16:12
@Simon: Danke für den Hinweis - ist an mir vorüber gegangen
Für andere mal den Link

https://www.academia.edu/17150484/Buried_with_his_bow_and_arrows_The_exceptional_cave_burial_of_a_14th_century_warrior_at_Tsagaan_Khad_mountain_Mongolia._In_Ancient_cultures_of_the_northern_area_of_China_Mongolia_and_baikalian_Siberia_Part_Three_Historical_Period_Bejing_2015_683-692

und
https://www.researchgate.net/publication/263660191_Bestattungen_in_Felsspalten_und_Hohlraumen_mongolischer_Hochgebirge/download
Titel: Re: Der Bogen als Grabbeilage in der Historie (zunächst)...
Beitrag von: AST am 24.04.19, 17:05
Wovon hängt es dann ab, wie der Bogen beigelegt wird?
Zeit, Kultur, Religion, ....?