Schiessen mit System oder volle Konzentration auf den Punkt?

Begonnen von Ulrich, 27.03.19, 10:09

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Kuckingen

Schnittmenge ist gut. Darunter fällt schon mal, den Bogen gerade halten. Gleichmäßiger Druck im Handballen beim Griff und ein fester Ankerpunkt. Ohne dem wird es nie funktionieren.

P.S. Wenn ich Bogenschießen auf einem Mittelaltermarkt kennen gelernt hätte, würde ich es heute kaum als eine ernstnehmende Sportart sehen.
Dem klugen Schützen gleicht der höhere Mensch. Verfehlt dieser sein Ziel, so wendet er sich ab und sucht die Ursache seines Fehlschusses in sich!

AST

Zitat von: Kuckingen am 05.05.19, 16:35Schnittmenge ist gut. Darunter fällt schon mal, den Bogen gerade halten(x). Gleichmäßiger Druck im Handballen beim Griff )_/) und ein fester Ankerpunkt (×). Ohne dem wird es nie funktionieren (×)

P.S. Wenn ich Bogenschießen auf einem Mittelaltermarkt kennen gelernt hätte, würde ich es heute kaum als eine ernstnehmende Sportart sehen.

Jeder hat seinen eigen Zugang... mich hat von Anfang an, das einfache daran fasziniert... Zwei Stöckchen (eins größer, eins kleiner) und eine Schnur - mehr braucht es nicht und es geht ganz gut ;-). Auf Turnieren hat mich die Vielfalt angesprochen und der Austausch mit Gleichgesinnten. Das sportliche in Richtung Wettkampf, Meisterschaften hat mich nie wirklich interessiert. Da 3D auch im Ursprung nie wirklich sportlich gedacht war, nehme ich das heraus, was für mich Spaß macht.

P.S. Und zu den Anmerkungen im Zitat:
 (_/) = stimme ich zu
 (×) = stimme nicht zu

und es wird wieder deutlich wie unterschiedlich die Sichtweisen sein können

Ulrich

Na ja... mich interessiert vorläufig das, was die Bogenschützen aller Schulen verbindet wesentlich mehr als das was sie unterscheidet. Darum kann ich als notorischer Autodidakt fast bei allen etwas abkupfern. Und die, die etwas auf dem Kasten zu haben scheinen, sind nicht ideologisch geprägt.

Im Netz sieht man jede Menge Videos von Leuten, die mit individuellen Trainingsmethoden weitergekommen sind und dies gern mit anderen teilen, meist mit der Fussnote, dass dies auf eigener Erfahrung beruht und nicht unbedingt für alle anderen auch so funktionieren muss. Für mich ist das eine schier unerschöpfliche Ideenbörse. Ueberzeugt haben mich insbesondere die Videos von Jeff Kavanagh.

In dem Verein, in dem ich zur Zeit mitmache, wird keiner in eine bestimmte Form gepresst. Da guckt dir ab und zu einer über die Schultern, schaut genau hin was du machst und gibt zurückhaltend den einen oder anderen Ratschlag. Das hilft.

Eigentlich habe ich mich nicht festgelegt. Ein Grund immerhin, warum ich zu einer archaischen Form des Bogenschiessens neige ist der: es geht dabei nicht darum, technische Lösungen für menschliche Schwachpunkte zu suchen, sondern auf die Stärken zu setzen. Das verschiebt das Ganze von einer (scheinbar) kontrollierbaren auf eine phänomenologische Ebene.

Mit phänomenalen Grüssen

Ueli



Als Anfänger weiss man alles besser. Aber das gibt sich mit der Zeit.

0815

Die Verbindung ist der Bogen und der Pfeil. Das ist die einzige Verbindung zwischen den verschiedenen Schiessarten....
Und selbst die Definition was ein Bogen ist wird unterschiedlich sein....

AST

Naja, ohne Sehne nützen Pfeil und Bogen wenig....
Eine Hand hält den Bogen, die andere zieht an der Sehne mit dem eingenockten Pfeil (von den "Fussbögen mal abgesehen)"
Die Körperposition bestimmt viel über den Aufbau des Schusses...und man muss loslassen können....

Ulrich

Zitat von: AST am 06.05.19, 03:33Die Körperposition bestimmt viel über den Aufbau des Schusses...und man muss loslassen können....

Für mich als in die Jahre gekommenes aber nichtsdestotrotz hoffnungsvolles Nachwuchstalent ist das z. Z. nicht die halbe Miete, sondern die ganze;-)

Mit nachgewachsenen Grüssen

Ueli
Als Anfänger weiss man alles besser. Aber das gibt sich mit der Zeit.

0815

@AST: Ohne Sehne ist es aber auch kein Bogen.....sondern ein Wanderstock oder.......


Ulrich

Zitat von: 0815 am 06.05.19, 17:48@AST: Ohne Sehne ist es aber auch kein Bogen.....sondern ein Wanderstock oder.......



... ein abgetakeltes Requisit aus Rambo 5.
Als Anfänger weiss man alles besser. Aber das gibt sich mit der Zeit.

AST

@0815
 
...eben, die Sehne macht erst den Bogen...

Ulrich

Nachdem nun klar ist, durch was genau sich der Bogen definiert und diese Bedingungen sogar für einen Geigenbogen gelten. zurück zur Ausgangsfrage, ob sich ein System und intuitiver Ablauf nebeneinander betreiben lassen.

Nachdem ich gestern Abend erste Erfahrungen mit einem System gemacht habe, denke ich mir folgendes:

Eine Grundvoraussetzung für das Wechseln zwischen den Fronten sind wahrscheinlich völlig verschiedene Rituale und Bewegungsabläufe, zwei unterschiedliche Programme inklusive deren Einleitung  (Mützenschild zur Seite statt nach hinten oder meinetwegen andersfarbige Schuhe), damit von Anfang an klar ist, wie es laufen soll. Damit nichts durcheinander kommt.

Demnach werde ich wohl besser vorerst meinen intuitiven Ablauf ritualisieren  und dann von Grund auf mit System neu aufbauen.

Mit gründlichen Grüsse

Ueli
Als Anfänger weiss man alles besser. Aber das gibt sich mit der Zeit.

Absinth

Moin Ulrich, das liest sich ja ziemlich kompliziert was du da so vor hast und ich hoffe für dich, dass du da nicht durcheinander kommst.


Mit systemisch konzentrierten Grüßen,
Absinth
nihil sine deo

und immer bei der Arbeit

Karly

Mein Tip wäre.... Trainiere ne Stunde das eine danach das andere und hinterher wieder von vorne...

Du findest schnell heraus das du dir da einen Mix aus beidem aneignest .... nämlich DEINE Art zu Schiesen...
Was 99% der sogenannten Tierschützer betreiben ist einfach nur das ausleben einer unbehandelten Geisteskrankheit!

Ulrich


Absinth, kompliziert ist es eigentlich nicht, aber möglicherweise zeitaufwändig und im Endeffekt unproduktiv (was für mich aber keine grosse Rolle spielt).

Karly, genau das habe ich bei meinem ersten Versuch gemacht. Es war gar nicht so schwierig, mit Abgreifen die Höhe zu finden, nachdem der erste Pfeil unter der Scheibe durchgeflogen war. Schwieriger war es dann nach dem Wechsel zurück die Pfeile vom oberen Rand der Scheibe wieder runterzukriegen;-)

Darum die Idee mit den unabhängigen Programmen als eine Art Selbstüberlistung.

Mit überlisteten Grüssen

Ueli
Als Anfänger weiss man alles besser. Aber das gibt sich mit der Zeit.

Sabiji

Moin Ulrich,
ich gehe da ziemlich konform mit Absinth, aber auch mit AST, dass Du einfach zu viel mit einmal willst. Auf der anderen Seite wüsste ich auch nicht, was ich Dir raten sollte. Vieles wurde hier schon geschrieben.

Aber ich bin der Verfechter von Einfachheit. In meiner Vergangenheit stecken auch 17 Jahre intensiv Kampfsport und ich versuche mal einen Vergleich: es ist besser, eine Technik gut zu beherrschen, als viele Techniken so lala. Wenn man eine Sache gut beherrscht, wächst daraus Selbstvertrauen und darauf kann man aufbauen.

Bogenschießen ist eine Sportart, welche man absolut nur mit sich selbst ausfechtet. Es ist eine hochmentale Sportart. Wenn man sich da mit Zweifeln, Fragen, Unsicherheiten verzettelt, scheitert man früher oder später an seinem Anspruch. Das wichtigste was ich gelernt habe (wenn man mal wieder im zu viel wollen und treffen wollen abgedriftet ist - ich geh halt viel auf Turniere), ist immer wieder zum Einfachen zurückzukehren, zum Urschleim. Mental wie körperlich.

Wir haben in unseren Verein auch eine Kyudo-Abteilung, welche an bestimmten Tagen zeitgleich mit den Sportschützen trainieren. Nicht die Olympischen, sondern unter den Tradis gibt es immer wieder welche, die sich über die "übertriebenen" Schussabläufe der Kyudokas lustig machen. "Die brauchen ja ewig". Dann antworte ich, das genau diese "übertriebene" Ritualisierung des Schussablaufs im Kyudo die Quintessenz des Bogenschießens in deren Augen ist. Du dagegen interessierst dich nur, wie du deine Pfeile optisch cool in die Mitte der Auflage bündelst und hast in gleicher Zeit wie die mit 2 Pfeilen deinen ganzen Köcher entleert. Hast du dabei halbwegs auf dein Schussablauf geachtet? Ist doch letztendlich genau das gegenteilige Extrem, oder? Antwort: Kulleraugen.

Lange Rede kurzer Sinn. Ich würde Dir ans Herz legen, erst mal einen Weg zu verinnerlichen. Ob nun akademisch wie Kuckingen oder "frei" wie AST spielt keine Rolle. Alles weitere ergibt sich. Aber radikale Sprünge in den Techniken, besonders am Anfang Deiner Bogenkarriere halte ich nach meinem Empfinden als suboptimal.
Semper Eadem

Ulrich

Sabiji, danke für deine Betrachtungen.

Zu Kyudo: Vielleicht sollte man im sog. traditionellen Bogenschiessen nicht nur die Treffer werten, sondern auch eine Stilnote vergeben (Harmonie des Bewegungsablaufes) ;-)

Zur Frage nach meinem Schussablauf:

-Der Pfeil ist eingelegt, der Bogen hängt an der Bogenhand.
-Blick aufs Ziel, Blick in die Gegenrichtung (hilft beim Ausrichten der Schultern. Aus dem gleichen Grund ist mein Stand leicht überdreht).
-Griff in die Sehne, einmal pumpen, um Bogenhand und Bogenschulter zu platzieren.

Weiter geht es in einem bestimmten Rhythmus:

1...2...3 Bogenhand geht hoch Richtung Ziel, Auszug zur Hälfte beim hochziehen, zur andern Hälfte sucht der Zeigefinger schnurgerade die Maulecke. 1 und 2 entsprechen etwa einer Viertelnote, 3, das Halten, einer halben Note.

Dann geht`s weiter im Dreivierteltakt:

4... lösen 5...6 nachhalten.

Wichtig ist die halbe Note bei 3. Das Halten reicht aus, um mich wahlweise auf das Lösen oder auf einen Zielpunkt zu konzentrieren oder vielleicht später auch, um bei Bedarf das ganze Gestell nach unten oder oben zu kippen.

Zum allgemeinen Vorwurf, dass ich zu viel auf einmal will; bei uns gibt es da eine Redensart: <Recht hast du, schweigen sollst du!>

Mit rechtgebenden Grüssen

Ueli
Als Anfänger weiss man alles besser. Aber das gibt sich mit der Zeit.

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