Pfeilbau Anfänger

Begonnen von beardedviking, 05.11.18, 19:22

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beardedviking

Servus.

Ich möchte mich endlich mal mit dem Thema Pfeilbau beschäftigen habe aber irgendwie noch nicht den richtigen Ansatz gefunden bzw. schreckt mich einfach das Thema Spine ab. Ich blicke da noch nicht so richtig durch.

Ich habe einen 55" HAN-Reflexbogen von elite-bogen mit 30# @ 28". Meine Auszugslänge ist ca. 28,5". Ich schieße mediterran, demnach reichen 30" als Pfeillänge. Als Sehne habe ich die von elite-bogen drauf, ich bin leider nicht sicher ob das Dacron ist oder was anderes.

Für Holzpfeile würde ich wahrscheinlich 5/16" Zedernholz mit Spinewert 30/35 nehmen, seht ihr das ähnlich? Als Befiederung denke ich an 4" Shield und als Nocke eine Standard Kunststoffnocke von Bearpaw o.ä. Bei der Spitze bin ich aber schon wieder etwas ratlos. Was für ein Spitzengewicht nehme ich da? 100grn? 125grn? Wahrscheinlich schreit ihr jetzt gleich "Rohschafttest", oder?  ;)

Mich würden aber auch Carbonpfeile in Holz-/Bambusoptik reizen und da steige ich nun komplett aus. Je nach Rechner oder Tabelle und Hersteller lese ich hier Spinewerte von 600 bis 1100 ab und blicke gar nicht mehr durch. Habt ihr da vielleicht eine Empfehlung?

ragnar

ZitatIch habe einen 55" HAN-Reflexbogen von elite-bogen mit 30# @ 28". Meine Auszugslänge ist ca. 28,5". Ich schieße mediterran, demnach reichen 30" als Pfeillänge.
Sorry, aber das ist Verschwendung ...  ;)
Der Bogen hat 34" maximalen Auszug, für mediterrane Technik könntest du gleichwertiges billiger haben. Aber vielleicht kommst du noch auf den Geschmack ...

ZitatAls Befiederung denke ich an 4" Shield und als Nocke eine Standard Kunststoffnocke von Bearpaw o.ä
Das ist größtenteils Geschmackssache. Notfalls kann man die Höhe der Befiederung mit der Schere reduzieren.

ZitatFür Holzpfeile würde ich wahrscheinlich 5/16" Zedernholz mit Spinewert 30/35 nehmen, seht ihr das ähnlich? ... Bei der Spitze bin ich aber schon wieder etwas ratlos. Was für ein Spitzengewicht nehme ich da? 100grn? 125grn?
Bei dem niedrigen Zuggewicht (und Auszug) ist 5/16" wahrscheinlich die bessere Wahl. Für 30" statt 28 würde ich allerdings etwas draufschlagen, und auch 35..40# in Betracht ziehen.
Und bei dem niedrigen Zuggewicht würde ich eher leichtere Spitzen wählen, das gibt eine flachere Flugkurve.
Da sonst wenig über den Bogen bekannt ist, hilft wohl nur probieren.
Ein paar Schäfte (volle Länge) besorgen, befiedern und Spitzen drauf (z.B. 80, 100 125 grain). Und dann probieren (kürzen, Spitzen tauschen), was am Besten paßt.
Kürzen macht den Schaft steifer, schwerere Spitzen machen ihn "weicher".
Und ja, du könntest einen Schaft unbefiedert lassen, und vergleichsweise auf mehrere Entfernungen schießen. Für Anfänger aber eher verwirrend.
Möglicherweise hast du einen Laden in der Nähe, wo du dich beraten lassen kannst. Das bringt oft mehr als wochenlanges probieren.
"Nichts ist so gerecht verteilt wie der gesunde Menschenverstand.
Niemand glaubt, mehr davon zu brauchen als er hat."
(René Descartes)

beardedviking

Zitat von: ragnar am 05.11.18, 20:01
ZitatIch habe einen 55" HAN-Reflexbogen von elite-bogen mit 30# @ 28". Meine Auszugslänge ist ca. 28,5". Ich schieße mediterran, demnach reichen 30" als Pfeillänge.
Sorry, aber das ist Verschwendung ...  ;)
Der Bogen hat 34" maximalen Auszug, für mediterrane Technik könntest du gleichwertiges billiger haben. Aber vielleicht kommst du noch auf den Geschmack ...

Ich habe den Bogen gesehen und mich verliebt. Da kann man nichts machen. Alles andere wirkte daneben plötzlich langweilig. Irgendwann werde ich mich sicher mal mit Daumenablass beschäftigen, aber das dauert noch ein paar Jahre. ;)

ragnar

ZitatIrgendwann werde ich mich sicher mal mit Daumenablass beschäftigen, aber das dauert noch ein paar Jahre. ;)
Da gibt es keine Zusammenhang - Daumentechnik setzt das Beherrschen des mediterranen Stils nicht voraus.
Aber das bleibt vollkommen dir überlassen.
Das wichtigste, egal welcher Stil, ist ein guter Trainer/Mentor.
"Nichts ist so gerecht verteilt wie der gesunde Menschenverstand.
Niemand glaubt, mehr davon zu brauchen als er hat."
(René Descartes)

Wolverine

ich kann gerne einen Rohschafttest mit dir zusammen machen ( Schäfte dazu habe ich genügend ), aus welcher Gegend kommst du denn ???
Es gibt Menschen, die zeigen Dir immer wieder, wie Du niemals werden willst.
Bögen von Bavarian Longbow, Black Widow, Centaur, Wapiti Bows, Martin

beardedviking

Zitat von: ragnar am 05.11.18, 20:27
ZitatIrgendwann werde ich mich sicher mal mit Daumenablass beschäftigen, aber das dauert noch ein paar Jahre. ;)
Da gibt es keine Zusammenhang - Daumentechnik setzt das Beherrschen des mediterranen Stils nicht voraus.
Aber das bleibt vollkommen dir überlassen.
Das wichtigste, egal welcher Stil, ist ein guter Trainer/Mentor.

Dass das nicht zusammenhängt ist mir vollkommen klar, aber es macht keinen Sinn eine zweite Technik zu erlernen, wenn ich die erste noch nicht mal beherrsche. Zwei Sprachen gleichzeitig zu erlernen stelle ich mir auch schwierig vor. Daher lieber Schritt für Schritt.;)

beardedviking

Zitat von: Wolverine am 05.11.18, 21:03ich kann gerne einen Rohschafttest mit dir zusammen machen ( Schäfte dazu habe ich genügend ), aus welcher Gegend kommst du denn ???

München

Wolverine

da ist der Großraum Stuttgart zu weit weg, aber wenn du möchtest, die Zeit nehme ich mir gerne.
Es gibt Menschen, die zeigen Dir immer wieder, wie Du niemals werden willst.
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beardedviking

Sollte ich mal in die Gegend kommen würde ich das Angebot gerne annehmen.  ;)




Hat jemand einen Vorschlag bzgl. Spine? Ich mag rein optisch z.B. die Nijora Bark Schäfte sehr gerne, habe aber keine Ahnung, ob z.B. der 600er für die 30# taugt.

ragnar

Höchstwahrscheinlich zu steif, ich habe 800-er für einen 30# Recurve.
Aber, wie oben schon erwähnt - nicht alle Bögen sind gleich, ausprobieren.

Wenn du allerdings einmal Wettbewerbe mitmachen willst, bräuchtest du Holzpfeile. Mit Carbonpfeilen darfst du in der BHR-Klasse antreten.
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(René Descartes)

ravenheart

Du must beim Spine 2 Dinge unterscheiden!

1. die KLASSIFIZIERUNG des Schaftes
Der Spinewert dient dazu die einzelnen Steifigkeits-Gruppen zu definieren

2. den effektiven Spine
...also wie stark sich der fertige Pfeil tatsächlich biegt

Letzterer ist für die WAHL des Schaftes - aber auch den Pfeilbau (Länge, Spitzengewicht etc.) ausschlaggebend.

Der Spinewert dient dabei nur a) einer GROBEN Einschätzung und b) dafür, dass Du nächstes Mal wieder GLEICH steife Schäfte kaufst.

WELCHE Schäfte für genau DEINE Kombination richtig sind, hängt von zu vielen Faktoren ab, um das wirklich GENAU berechnen oder abschätzen zu können:
http://www.bogensportwiki.info/index.php?title=Effektiver_Spine

Da hilft leider nur Testen! Am besten in Varianten, indem Du verschiedene Pfeillängen und verschiedene Spitzen-Gewichte im Vergleich schießt, bis Du die optimale Abstimmung für DICH gefunden hast!

Rabe




Wolverine


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Zitat von: beardedviking am 06.11.18, 11:07Sollte ich mal in die Gegend kommen würde ich das Angebot gerne annehmen.  ;)




Hat jemand einen Vorschlag bzgl. Spine? Ich mag rein optisch z.B. die Nijora Bark Schäfte sehr gerne, habe aber keine Ahnung, ob z.B. der 600er für die 30# taugt.



das Angebot gilt
Es gibt Menschen, die zeigen Dir immer wieder, wie Du niemals werden willst.
Bögen von Bavarian Longbow, Black Widow, Centaur, Wapiti Bows, Martin

0815

Wie breit ist dieser Bogen Wo der Pfeil anliegt? Das ist die Ausmitte.
Von Zeder wuerde ich in Deutschland die Finger lassen, zu schlechte Qualitaet.
Meine Koreanischen Boegen sind ca. 11mm ausserhalb der Mitte geschnitten wo der Pfeil anliegt (insegesamt also rund 22mm breit an dieser Stelle).

Wenn der Bogen 30# bei 28" Auszug hat und Du 28.5 Zoll ziehst, dann hast Du ca. 31# auf den Fingern bei 6.5# Standhoehe.

Bei 30" Pfeillaenge BOP (back of point) und angenommene 11mm Ausmitte, wuerde ein 26# Holzspine Schaft mit 5/16" Durchmesser und 100 grain Spitze funktionieren.
oder

Bei 30" Pfeillaenge BOP (back of point) und angenommene 11mm Ausmitte, wuerde ein 25# Holzspine Schaft mit 5/16" Durchmesser und 80 grain Spitze funktionieren.

Ich wuerde also folgendes machen:
Bestellung von 5/16" Schaeften: 12 Stueck  feingespined mit Beschriftung jedes Schaftes und jeweils 2 Schaefte jedes gemessenen Spines 25 bis 30#.

Gerademachen, 2 mal klarlack drauf und die Beschriftung drauflassen. Befiedern und dann mit 80 grain Spitze anfangen und eventuell auf 100 umsteigen.

Eine dieser Kombinationen wird am besten fliegen und Du wirst dann wissen, welche das ist. Dann kann man sich mehr Schaefte in dieser besten Kombiantion bestellen und schoene Pfeile bauen.
Trotzdem hat man wohl mind. 6 oder mehr funktionierende Pfeile.


Bei den Carboneros wird es complex, da diese viel leichter als Holz sind und damit auch immer steifer reagieren. Zudem sind in diesen Spines die Durchmesser wohl herstellerabhaengig und schwieriger einzuordnen.

Bsp: Der Bearpaw
https://shop.bearpaw-products.com/WebshopB2C/Penthalon_Slim_Line_Bamboo/P-3488/1?Origin=Navigator
im Spine 1000 hat einen aequivalenten Holzspine von 31.8#, hat aber einen duenneren Durchmesser. Deshalb kann man wohl den steiferen Schaft schiessen, da die Ausmitte geringer ist. Mit der Slim Line Break Off Spitze von 100-75-50 grain halte ich diesen Schaft fuer den Bogen fuer gut tunbar.
 100 grain Spitze weicher, 75 grain etwas haerter und 50 noch etwas haerter.
 


 

beardedviking

Wow. Danke für die ausfürliche Antwort. Ich werde die Ausmitte messen und hier posten.


Wenn du aber von Zeder abrätst, was wäre deiner Meinung nach die beste Alternative? Kiefer? Fichte?


AST

Zeder ist nur noch schwer in richtig guter Qualität zu bekommen. Die besten Schäfte verlassen die USA nicht.
Aber von einzelnen Händlern bekommt man immer noch eine passable Qualität an Zedernschäften.
Gute Qualität bekommt man von europäischen Herstellern (TAS: Northern Pine (Kiefer), Superschaft: Fichte und auch Kiefer / Zeder?, Whitewood: Kiefer und auch andere Hölzer (Fichte, Lärche, Birke, Esche), Sitka Schaft: Sitka Fichte, Ballweg : Hemlock und Tanne).
Wenn man dabei Wert auf eine gute Sortierung legt, sollte man sich bewusst sein, dass ein Holzschaft nicht für Billigpreise zu bekommen ist. Die Sortierung umfasst dabei nicht nur die Sortierung nach Spinegruppen, sondern erstmal die Sortierung nach Schaftqualität (Verlauf der Maserung, Dichte der Maserung und Geradheit) und dann Gewicht und eben Spine. Schaftgruppen sollten gematcht sein, d.h. die Schäfte sollten sich in Gewicht und Spine möglichst ähnlich sein.

Ich habe es z.B. schon erlebt, dass Großhändler ihre Schäfte als Mill run kaufen (Mill run: direkt aus der Fräse ohne Sortierung nach irgendwas), dann die Schäfte von Hilfskräften spinen lassen (bei der Spinemessung ist es wichtig, dass auf den Maserungsverlauf geachtet wird, sonst bekomme ich nicht den "richtigen" Spinewert heraus).
Diese Schäfte kommen dann als 1,- / 1,2€ Schäfte in Umlauf und da stimmt dann gar nichts (ausser der Holzsorte vielleicht): die Spinegruppe ist nicht innerhalb von 5lbs, sondern innerhalb von 20lbs, die Gewichtsschwankungen sind von Schaft zu Schaft schon mal 5 -10 Gramm (richtig, das sind 75 -150 grains), die Schäfte sind teilweise krumm und nicht richtbar, die Maserung zerschneidet den Schaft quasi auf der ganzen Länge bis hin zu zahlreichen kleinen Asteinschlüssen..... Aus so etwas kann man nur vereinzelt Pfeile bauen, da muss man dann 100 Stück kaufen um vielleicht 12-15 ordentliche und passende Schäfte zu bekommen und eben 85 Tomatenstecken.


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