Fragen zum Rohschafttest

Begonnen von Pseudokrieger, 21.09.18, 14:47

Pseudokrieger

Wenn ich über den Rohschafttest lese, dann heißt es immer; wenn der Spine nicht stimmt, dann würde der Rohschaft schwänzeln. Und wenn der Nockpunkt nicht stimmt würde der Schaft reiten.
Bei mir ist das aber irgendwie nicht der Fall. Beispiel:
Wenn ein Schaft für meinen Bogen zu steif ist, dann driftet er langsam aber sicher nach links ab (Rechtshandschütze). Auf 10m nur wenig und leicht schräg (Spitze links Nocke nach rechts). Auf 15m dann schon 30cm nach links versetzt (Schaft schräger) und auf 20m geht der Schaft dann fast schon an der Zielscheibe vorbei (Schaft steckt jetzt ca 45° schräg in der Zielscheibe). Der Schaft steckt aber immer mit der Nocke nach rechts, Spitze nach links in der Zielscheibe. Egal welche Distanz ich schieße. Es wird halt immer heftiger je weiter ich schieße. Schwänzeln habe ich bisher, auch bei anderen Schützen die einen Rohschafttest durchgeführt haben, noch nie gesehen oder zumindest ist mir das noch nie aufgefallen.
Ebenso beim Nockpunkt. Ist dieser zu hoch, dann driftet der Schaft nach unten ab. Aber egal auf welche Entfernung ich schieße, Er steckt dann immer mit der Nocke nach oben in der Zielscheibe. Je weiter man schießt desto schräger steckt der Schaft in der Zielscheibe.
Bei fertigen Pfeilen mit falschem Spine/Nockpunkt kann ich das Schwänzeln bzw. Reiten bestätigen. Zumindest auf den ersten Metern, bis die Federn ihre Arbeit getan haben und der Pfeil sich trotz falschen Setups stabilisiert hat.

Wie sind eure Erfahrungen dazu? Mache ich vielleicht etwas falsch?

ragnar

ZitatWenn ich über den Rohschafttest lese, dann heißt es immer; wenn der Spine nicht stimmt, dann würde der Rohschaft schwänzeln. Und wenn der Nockpunkt nicht stimmt würde der Schaft reiten.
Die Wedel- oder Schwänzelbewegungen sind Oszillationen des Schafts, die auf signifikante Querkräfte hindeuten.
Ohne Befiederung wedelt oder schwänzelt der Schaft kaum, da die "Gegenregelung" durch die Federfläche fehlt. Eben deswegen macht man ja den Rohschafttest.
Die problematische Auslenkung bleibt lange erhalten, und ändert nicht andauernd das Vorzeichen ...
"Nichts ist so gerecht verteilt wie der gesunde Menschenverstand.
Niemand glaubt, mehr davon zu brauchen als er hat."
(René Descartes)

AST

Rohschafttests halte ich persönlich schon immer für überbewertet...

Wolverine

wenn ein Rohschafttest richtig gemacht wird zeigt er schon einiges auf, aber er ist nicht immer das Maß aller Dinge.
Es gibt Menschen, die zeigen Dir immer wieder, wie Du niemals werden willst.
Bögen von Bavarian Longbow, Black Widow, Centaur, Wapiti Bows, Martin

0815

Der Rohschafttest ist ein Feintuningtest und fuer Anfaenger/wenig gefestigte Schuetzen eher nicht zielfuehrend.
Mit Holzschaeften ist der Rohschaftest eher nicht zu empfehlen, ist also eher was fuer die ALu/Carbonara Fraktion.
Jeder Bogen und auch die Pfeile haben  zwei Glockenkurven die von Interesse sind:
1. Der optimale Pfeil liegt im Wendepunkt der Spineglockenkurve. Minimal abweichende Pfeile werden auch noch ok fliegen. Zusaetzlich wird etwas weniger oder mehr Auszug sich nicht besonders stark auf das Ergebnis mit einem optimalen Pfeil auswirken.
2.) Schiesst man Pfeile an der Grenze des "fuer gut befundene Bereich der Glockenkurve", dann macht bei einem weicheren Pfeil bei laengerem Auszug sich das negative bemerkbar und natuerlich umgekehrt. Viele Schuetzen tendieren zu steiferen Pfeilen. Erfahrene Schuetzen tendieren eher zu etwas weicheren Pfeilen, da man z.B. auf der Jagd oder im Spaetherbst mehr als ein T-Shirt anhat und sich damit automatisch der Auszug etwas verkuertzt. Leicht zu steife Pfeile koennen jetzt wirklich zu steif reagieren. Dieser Effekt wird noch durch Jagdspitzen verstaerkt. Eine Feldspitze hat eine kompaktere Massenverteilung als eine Jagdspitze, sie macht also den Pfeil etwas weicher als eine Jagdspitze. Deshalb sind meine Jagdspitzen immer ungefaehr 25-35 grain schwerer als meine Feldspitzen. Das gleicht das wieder aus.

Jane

Zitat von: 0815 am 22.09.18, 03:18Mit Holzschaeften ist der Rohschaftest eher nicht zu empfehlen, ist also eher was fuer die ALu/Carbonara Fraktion.

Warum?

cweg

Weil die Holzschäfte schnell brechen können oder schlimmer noch, nur anbrechen, wenn sie schräg einschlagen.

Meine Holzpfeile habe ich mittels Papiertest ausgeschossen.

Jane

Muss man halt dann nicht auf 5 Meter schießen...ich hab meine Holzpfeile ganz normal ausgeschossen, hab mich schon gefragt was ich denn da wieder falsch gemacht habe ;p

Pseudokrieger

Also scheint es ja nicht falsch zu sein wie ich meine Pfeile ausschieße.
Der Schaft wird so lange gekürzt, Spitzengewicht geändert, bis er auf 20m (meine Gartendistanz) gerade in der Scheibe steckt. Natürlich schieße ich den Schaft dann ein paar mal wenn ich denke das er jetzt stimmt. klar einmal steckt er dann ganz leicht schräg nach links und einmal ganz leicht nach rechts... Das kommt halt daher das nicht jeder Schuß gleich ist. Im Mittel steckt der Schaft aber kerzengerade drin.
Den Test auf kürzere Distanz durchzuführen halte ich dann aber für überflüssig, da das Abtriften ja auf Distanz immer größer wird.
Idealerweise sollte man den Rohschafttest eher auf Distanz durchführen um den Pfeil ganz genau zu "tunen".

Warum andere für einen Rohschafttest noch zwei befiederte Schäfte schießen erschließt sich mir nicht ganz.

Das ist zumindest mein Weg um einen passenden Pfeil zu finden.

Steve.bsfd

Zitat von: Pseudokrieger am 22.09.18, 22:22Warum andere für einen Rohschafttest noch zwei befiederte Schäfte schießen erschließt sich mir nicht ganz.

weil eben der Rohschaft eben in der Gruppe der befiederten Pfeile landen soll, im optimalen Fall. wenn Du NUR unbefiederte Pfeile schiesst, fehlt Dir der Vergleich
68" Spigarelli Revolution BB mit Uukha Vx+ 42# <br />64" Jackalope Tourmaline Speed 45# @ 28"<br />60" Jackalope Diamond (green/black) 40# @ 28"

knäkebrot

Zitat von: Steve.bsfd am 22.09.18, 22:43... in der Gruppe der befiederten Pfeile landen soll, im optimalen Fall. wenn Du NUR unbefiederte Pfeile schiesst, fehlt Dir der Vergleich

Und auch, weil man sonst schnell in die Irre geführt werden kann:

Steht man etwas schräg zur Scheibe, dann sind eigentlich gerade steckende Pfeile nicht 90° zur Scheibe und man könnte meinen, dass sie schräg stecken.

Hat man aber vorher befiederte geschossen, kann man sich an diesen orientieren.

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