Ich kann nicht ankern - seit 5 Jahren Scheibenpanik

Begonnen von Neskakao_64, 07.05.18, 17:37

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Neskakao_64

@AST, sehe ich genauso... Aber wie trainiere ich mein Hirn?

roscho

Der pawlowsche Köter ist ja auch der Ansatz von Joel Turner mit seinem "Controlled Process Shooting".

Er entkoppelt BEWUSST Lösen von dem allgemeinen Schussablauf und macht das Lösen unverhersagbar für den Pawlowschen Reflex.

Der Crickit-Clicker ist da ein sehr gutes Hilfsmittel, grundsätzlich setzt Joel Turner immer auf externe Trigger um das Timing für das Lösen für das Unterbewusstsein nicht vorhersagbar zu machen.


Esteban

Zitat von: Neskakao_64 am 08.05.18, 11:55
...

Esteban & machichmorgen: Könnt ihr mir denn etwas empfehlen für meinen KAP Spirit Challenge 26 Pfund?


Crick-it
http://www.huntersniche.com/products/accessories

Kriegst du in D auch über SSC Allermann.
No captain can do very wrong, if he places his ship alongside that of the enemy ( Horatio Nelson, Battle of Abukir, 1798)

AST

@neskakao...

Die Psyche ist sehr individuell und es gibt sicherlich verschiedene Ansätze, um die festgefahrenen  Reflexmuster zu durchbrechen.  Manchmal kann da ein Psychologe helfen?
Kommt halt darauf an, wie du eigentlich schiessen möchtest? Wenn du z.B. anfängst zu visieren (über die Pfeilspitze, Point of aim) ist der Auszugsprozeß ( besteht aus Auszug und visieren) erst beendet, wenn die "Visierung" passt. Dann folgt das lösen... So etwas kann man ganz bewußt üben.

0815

Drei Punkte bereiten instinktiven Schuetzen Probleme:
1.) Verwendung von Trainingmethoden fuer Visier/Systemschuetzen
2.)
a. Aufgrund der Eigenart der Trainingsmethoden fuer Visierschuetzen/Systemschuetzen macht sich der "Pawlosche" Koeter bemerkbar.
Was ist denn dieser Effekt? Dieser Effekt ist normaler Teil unseres Gehirns und laesst sich nicht abstellen, ist vielmehr notwendig das wir richtig funktionieren.
Es handelt sich dabei um "automatische Konditionierung". Diese ist hilfreich beim Lernen und auch hilfreich um fuer unser Tun effektivere Wege zu finden.
Das Problem fuer die meisten Schuetzen ist, dass das Gehirn einen effektiveren/schnelleren  Weg finden will ein Ziel zu erreichen. Das tut es z.B. indem es einen Schritt weglaesst und dann das Ergebnis betrachtet. z.B. Anstatt exakt den Ankerpunkt zu finden, wird einfach mal etwas frueher geloest. Also z.b. ganz kurz vor dem erreichen des echten Ankerpunkts. Ergebnis: Man trifft meistens nur geringfuegig schlechter oder immer noch exakt,weil alles andere ja gleich war.
b.) Visueller Reiz des Ziels (Scheibe/Gold etc.). Wir haben beim Schiessen gelernt: wenn das Visierbild passt, dann lassen wir los und treffen.
Das Visierbild ist fuer die meisten Instinktivschuetzen eine gefuehlte oder visuelle Relation der Bogenhand zum Ziel.
c.) Beim Pawloschen Hund war das Klappern mit dem Topf der Ausloeser fuer den Speichelfluss weil das Gehirn das Klappern des Napfes mit Futter assozierte.
Der Schuetze assoziert mit dem Anblick des Ziels die Handlung loslassen und eliminierte den Schritt: Ich muss an meinem Ankerpunt sein.   
d.) Passiert das ein paar mal, dann kann man da recht zuegig dagegenarbeiten, aber jetzt kommt die unpassende Trainingsmethode ins Spiel.

Mehr dazu spaeter....


0815

e.) Die Trainingsmethode fuer Visier/Systemschuetzen ist es  enge Gruppen zu schiessen. Wie beim Gewehr. Gleiche Munition vorausgesetzt.
Warum? Bei bekannter Entfernung ist das Ziel beim Visierschiessen das konstante Halten des richtigen Visierpunktes. Ist das Visierbild korrekt, dann loesst man und trifft.
Bei unbekannter Entfernung kommt dazu, das die Entfernung geschaetzt wird und dann die dazu passende Visiereinstellung eingestellt wird.
Alle diese Schritte warden vom Schuetzne bewusst durchgefuehrt.
Um besser zu werden, muss man also viele Wiederholungen durchfuehren um 1.) Die Muselkn zu trainieren um still zu halten und um den Zeitpunkt zum Beginn der Releasephase zu waehlen.
Trainiert der wie oben beschriebene Konditioniert jetzt mit vielen Wiederholungen aus konstanter Entfernung auf ein konstantes Ziel, dann schleift sich der Fehler immer mehr ein und irgendwann erkennt man garnicht mehr wwas man falsch macht. Der falsche Schussablauf ist jetzt im Unterbewusstsein einprogrammiert und laeuft automatisch ab.

3.) Bracing for Impact also "das Einstellen des Koerpers auf einen Schlag/Knall/Schock. Dies betrifft auch die Visier und Compoundschuetzen. Der menschliche Koerper mochte sich instinktiv einem Schlag/Knall/Treffer entziehen. Bei den Gewehrschuetzen nennt man das "flinching" und bei Bogenschuetzen ist es oft z.B. eine Bewegung des Bogenarms beim Ablassen oder ein durchreissen des triggers beim release. Man sieht das z.B. wenn Gewehrschuetzen die Waffe verreisen obwohl ueberhaupt kein Pulver in der Patrone ist.
Das ist flinching und der Koerper moechte sich dem Rueckschlag der Waffe entziehen.

In den naechsten Folgen moechte ich einige Methoden vorstellen, die einem helfen die Kontrolle zurueckgeben: 

Gundog

Zum Push-Release habe ich noch irgendwo die DVD(sollte ich die finden, verschenke ich die gerne) . Mir hat es nicht geholfen. Ich habe auch alles andere probiert, Kidwell, Joel Turner etc. Der Ansatz von Joel Turner wird funktionieren wenn man konsequent dran bleibt und so einen unvorhersehbaren Trigger "hat". Ideal wäre die Feder zur Nase, aber das passt bei meinem Dickschädel wohl nicht.
Mir hat es geholfen mal keine Turniere zu machen, und dann nur auf 10m auf möglichst "kleine" Ziele zu schießen. Dabei jeden Schuss voll konzentriert, also lieber 3 Schuss , statt 30 zu machen. Jedes mal den ganzen Ablauf im Kopf begleiten. Man "zuckt" dann manchmal weil der Körper schon lösen will, der Kopf aber nicht. Was auf jeden Fall hilft ist die Zughand(Schulter) richtig nach hinten zur Rückenspannung zu bringen und erst dann zu lösen. "Rotational Draw von Arne Moe o.ä. googlen).

roscho

@0815: Joel Turner live ;)

@Gundog: das Problem mit den "Nasenklicker" kenne ich nur zu gut - geht am Anfang toll - irgendwann habe ich ich es nicht mehr gespürt

Crick It Klicker geht immer, gefällt mir aber nicht, Tab Sear (bzw Clicker kann ich nicht)

Ich werde es jetzt noch einmal mit einen Griff Sear auf einem Gitarrenplektrum probieren - wenn nicht muss ich eben doch mal über meinen Schatten springen und den CrickIt Ansatz weiter verfolgen.

Aber allein die Beschäftigung mit den verschiedenen Ansätzen hat bei mir schon zu einem deutlichen Umbau des Schussaufbaus geführt.


PanTau

... da bin ich auch gerade am Kämpfen. Nasenklicker klappt bei mir auch nicht, weil ich im Ideal die Sehne am Nasenflügel anlege - da ist also schon ein Kontakt. Schlechter wird es bei mir bei weiten oder kleinen Zielen. Je höher die Gewissheit ist zu treffen, desto besser der Schuss - was deutlich zeigt, dass Unsicherheit/Selbstvergewisserung psychische Faktoren in diesem blöden Spiel sind.
Mir hilft es, wenn ich verschiedene "Ziele" in den Schussablauf einbaue.

Zum Einüben mache ich mir vier Nägel auf die blanke Scheibe (Dreieck und einer in die Mitte), dann baue ich den Schuss auf und arbeite die drei ersten Nägel bei Vollauszug im Uhrzeigersinn ab, indem ich sie nacheinander in den Fokus. Dann schieße ich auf den vierten Nagel.
Vorteil:
1. Man lernt, im Vollauszug zu stehen und nicht "Einzufrieren" (Bei voll ausgebauter Scheibenpanik friert mir die Zughand vor dem Gesicht ein und ich weiß genau, dass ich loslasse, wenn ich noch weiter auf meine Ankerpunkte ziehe...)
2. Man lernt, ein Ziel anzusehen, ohne zu zucken.
Varianten: Sich jemanden danebenstellen, der erst, wenn man im Vollauszug steht, sagt, welcher Nagel in den Fokus soll und der ab und zu auchmal "Absetzen" sagt...


Neskakao_64

@PanTau und dann treffe ich nachher die Nägel und mache mir die Pfeile kaputt. Toll :D

Gundog

Vielleicht wird es nicht ganz deutlich.. man kann die Schulter der Zughand quasi auch als Klicker nehmen.. nur wenn man hinten ist (wenn man quasi nicht weiter kann) lösen. Dafür muss man die ganze Haltung ggf. überarbeiten. Die Linie-Bogenhand-Körper-Zughand wird dann auch besser.
Eines ist mir klar geworden: Der Fix den Push-Release verspricht (in wenigen Minuten kein Problem mehr) gibt es meist nicht. Man muss daran arbeiten, aber ich sehe auch deutliche Fortschritte und bin quasi schon geheilt.

Mercenario

Also ich fand Joel Turner und den nasenklicker für mich sehr hilfreich
Funktioniert bei mir aber nur mit parrabol Federn und halt an der Lippe bedingt durch meinen mediterranen Stil und den Ankerpunkt mit Zeigefinger am Eckzahn.
Hatte manchmal dieses klassische zucken kurz vor oder beim Release und angenehmer Nebeneffekt ich habe auch eine hervorragende Kontrolle über meine Auszugslänge.
Das mit dem zucken kommt nun deutlich seltener vor.
Man muss halt dran bleiben
Gruß Merc
Es geht doch nichts über ein ehrliches Stück Holz !?!

0815

1.) Kontrolle ueber den Bewegungsablauf zurueckgewinnen:
Wir stehen vor der Scheibe mit einem Ziel drauf (z.B. die Bunnyscheibe) und das Ziel ist jetzt folgendes: Vor der Scheibe ausziehen, I'm Anker halten und Bogen wieder runternehmen.
Den Bogen mit Pfeil auf der Sehne ausziehen und mantra artig "Mittelfinger in den Mundwinkel". Die Konzentration ist auf "Mittelfinger I'm Mundwinkel". Ist das geschehen, dann gibt man sich den Befehl: Nicht schiessen, Sehne zurueckfuehren und Bogen runternehmen.

Wichtig ist es, das vor einer Scheibe mit Ziel zu tun. Der visuelle Reiz des Ziels muss vorhanden sein. Waere die Scheibe ohne Ziel (Blank Bale), dann waere diese Uebung sinnlos, da der Stimulus nicht da ist und es dadurch fuer die meisten absolut kein Problem ist, diese Uebung auszufuehren.

Der Zweck der Uebung ist erreicht, wenn man bei zwei Zielen nebeneinander das Ziel im Vollauszug wechseln kann ohne Abzulassen (=Schiessen).

Je nach Auspraegung/Art der TP kann dieser Schritt einige Zeit dauern.  Das Ziel ist es, die Assozierung von Ankerpunkt erreichen und ablassen (schiessen) bei gleichzeitigem Sehen des Ziels zu brechen.

PanTau

Zitat von: Neskakao_64 am 09.05.18, 13:29
@PanTau und dann treffe ich nachher die Nägel und mache mir die Pfeile kaputt. Toll :D

wir haben die gelben Plastiknägel von Beiter, die halten einiges aus und ruinieren den Pfeil nicht - und man kann auf ner schwarzen Scheibe sehr gut darauf fokussieren...

wolf33

 :eek:  :tu: ...dann werd ich mal dem Pawlowschen Köter die Beißerchen ziehen...  :madevil:

Danke an alle für die vielen Ansätze.
LG
Border BD 40#<br />Bearpaw Redman 40#
Gillo G2 30#

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