Ausrichten von Turnieren ohne ein Verein oder im Bogensportverband zu sein

Begonnen von DUDA, 25.03.18, 20:02

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DUDA

Hi
Ich habe eine Frage zum Thema 3D Tuniere zu veranstalten.
Folgendes wir sind ein loser Haufen von Privatleuten die in einer Kiesgrube und den Angrenzenden Wald schießen wir gehören keinen Verband oder Verein an wie sagen die ältesten wir sind nen Club.
Seit Jahren richten wir Tuniere aus zum Glück ist bis jetzt alles gut gegangen.
Das letzte Turnier am letzten Wochenende hatten wir Glück es gab Sturm ,Bäume stürzten um Turnier Abgebrochen.

Meine Frage darf man einfach so ein Turnier machen wer haftet wenn was Passiert?
In der Ausschreibung steht zwar Teilnahme auf eigene Gefahr Teilnahme mit gültiger Haftpflicht aber ist das so einfach.
Oder hängt da ein Rattenschwanz dran ich möchte mich ja nicht unglücklich machen, ich kenne die Gesetzte nicht?
Kann mich jemand aufklären?
Alles ins Blatt
Christian

friedrichshainer

Bin kein Jurist, hatte mich aber mal im Rahmen einer Großveranstaltung mit dem Thema auseinandergesetzt.

Soweit ich mich erinnnere ist der eigentliche Knackpunkt die (grobe) Fahrlässigkeit. Sollte dir aus irgendeinem Grund genau diese vorgeworfen werden, dann hilft keine Klausel mehr und auch mit der Haftpflicht wird es sehr kritisch. Da greift §823 BGB und du bist zum Ersatz des entstandenen Schadens verpflichtet.

Bei Schäden gegen Dritte (also Nicht-Teilnehmer) ist ja auch auch sonst nichts vereinbart.

Wenn ihr die Turniere gemeinschaftlich veranstaltet, dann seid ihr auch gemeinschaftlich haftbar, wobei im Zweifelsfalle noch gerichtlich im Binnenverhältnis eine Individualschuld festgestellt werden könnte (das wird teuer und sehr unappetitlich).

Um dieses Problem zu vermeiden hilft eigentlich nur die Gründung eines Vereins, der dann als juristische Person "einspringt" und im Zweifelsfalle einfach pleite geht.

AST

Haftet bei einem Verein nicht der Vorstand?

Gibt es haftungsrechtlich nicht Unterschiede zwischen öffentlichen und privaten Veranstaltungen?

Welche Haftungsrisiken trägt der Grundbesitzer bzw. der Pächter neben dem Nutzer einer Liegenschaft?

"Primitive" means FIRST - (not worst)

Flo Koe

Kommt man da nicht mit der allgemeinen Floskel "Jeder Schütze muss über eine Haftpflichtversicherung verfügen" raus?

Die lese ich eigentlich regelmäßig auf den Ausschreibungen der Turniere.
Ich bin mir auch sehr unsicher, ob ein Vorstand da seinen Kopf hinhalten muss, für Fehler anderer oder sagen wir mal "Leute ohne gesunden Menschenverstand" die ja leider auch durch den Wald rennen können ....

friedrichshainer

Das mit der Haftung des Vorstands ist so eine Sache. Da gibt's hier ein bisschen was zu lesen: https://deutsches-ehrenamt.de/vereinsrecht/haftung-vereinsvorstand/
Vereine bekommen aber für solche Sachen wenigstens halbwegs günstig eine Versicherung.

Für umstürzende Bäume kann erst mal kein Veranstalter was. Es sei denn er weiß von einer Sturmwarnung und führt die Veranstaltung dennoch durch.

Als Veranstalter hat man eine Verkehrssicherungspflicht (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Verkehrssicherungspflicht), d.h. prinzipiell muss dafür gesorgt werden, dass den Umständen entsprechend für eine erwartbare Sicherheit gesorgt ist. Bei einem 3D-Turnier wäre das sicherlich eine dem aktuellen Stand der offiziellen Turnierregeln entsprechende Situation. Und eben sowas wie Sturmwarnungen beachten, Gefahrenstellen markieren, Fallgruben sichern und die Säbelzahntiger anleinen.

Inwieweit eine Veranstaltung öffentlich oder privat ist, ist sicherlich sehr schnell ein Gerichtsthema. Sobald ich einlade, mit dem Ziel auch evtl. unbekannte Personen zu erreichen, dann ist das nicht mehr privat. Und wenn Dritte zu schaden kommen (verirrte Wanderer oder Kinder) ist das auch ziemlich wurscht.

Wenn dich das Thema umtreibt, dann würde ich mal mit einem Anwalt reden oder entsprechende Literatur wälzen. Mit (auch meinem) gefährlichem Halbwissen beunruhigst du dich eher als dir Sicherheit zu verschaffen.

machichmorgen

ZitatKommt man da nicht mit der allgemeinen Floskel "Jeder Schütze muss über eine Haftpflichtversicherung verfügen" raus?


Ist etwa so viel wert wie Eltern haften für ihre Kinder, nämlich nichts, vor allem wenn es nicht kontrolliert wird.

Der Veranstalter ist für die komplette Sicherheitssituation auf dem Gelände verantwortlich.

Der Eigentümer ist durch die Verpachtung erst mal raus.
Ausnahme sind verpflichtende baumpflegerische Maßnahmen, weil Bäume Eigentum des Eigentümers sind.

Dir Grundstückshaftpflicht geht dann auf den Pächter über, auch bei Tagesveranstaltungen.
Sicherheit der Schüsse, sowie die Wegesicherungspflicht obliegen dem Veranstalter.
Ist ein Schuss unsicher und der Schütze kann das nicht erkennen, dann ist bei einem Unfall der Veranstalter
in der Haftung, denn der hat dem Schützen glaubhaft versichert, dass der Schuss samt Sicherheitsbereich sicher ist.


DUDA

Hi
Erstmal danke ich euch für eure infos noch eins das Gelände ist nicht gepachte in anführungstrichen bezahlen wir die Pacht indem wir eine weitere Veranstaltung im Form eines bogenstands fen wir beim sommermarkt des Besitzers aufbauen und die Besucher auf eine Scheibe schießen können.
Das ist quasi unsere inoffizielle Pacht es gibt also nichts schriftliches oder so!!!!

Waldgeist

Die von euch (Veranstalter) geforderte Privathaftpflicht deckt ggf. berechtigte (!) Schäden ab, die sich die Schützen untereinander zugefügt haben. Als Veranstalter - siehe div. Hinweise - seid ihr natürlich im Obligo nicht nur gegenüber euren Besuchern sondern auch gegenüber dem Eigentümer des Areals, mit dem ihr vermutlich keinerlei vertragliche Regelung getroffen habt. Ich will hier gar keinen wilden Szenarien an die Wand malen, sondern lediglich auf potenzielle Risiken hinweisen, in die ihr euch als erklärte Veranstalter begeben habt. Da ihr euch für keinerlei Rechtsform entschieden habt, wo u.U. eine besondere Regelung bezgl. der Verantwortungsträgerschaft und der Haftungsrisiken besteht, seid ihr ggf. persönlich d´ran.
Jeder Mensch kann irren, aber Dummköpfe verharren im Irrtum!
Cicero

Kuckingen

Privat würde ich das nie machen. Ein Verein als juristische Person muss her.

Im Grundsatz ist jeder Schütze für sich selbst verantwortlich, Turnier hin oder her, bevor er schiesst hat er zu prüfen,ob das ziel frei ist. Wenn dann jmd mit voll camouflage rummrennt, ist dass nicht besonders hilfreich.

Für ein Turnier ist es hilreich, verbandsregeln anzuwenden. Es ist eine sehr gute Richtlinie dessen, was ein Schütze wie ein Veranstalter zu erwarten hat. Vor allem Sicherheitsregeln und den Bogenklassen. Dann ist alles weniger Wischi Waschi.
Dem klugen Schützen gleicht der höhere Mensch. Verfehlt dieser sein Ziel, so wendet er sich ab und sucht die Ursache seines Fehlschusses in sich!

El Torrro

Wenn man sich mit dem Turnier an Verbandregeln anlehnt, den Parcours ebenfalls nach den Sicherheitsregeln z.B. des DFBV ausrichtet, sollte man als Veranstalter schon viel getan haben, dass nichts passieren kann.
Aber mal die Frage, was kann denn passieren?
Gibbs Rule 9: "Never go anywhere without a knife."

Waldgeist

"Aber mal die Frage, was kann denn passieren?"
Passieren kan alles mögliche von A wie Ausrutschen bis Z wie Zerstörung. Entscheident ist neben den baulichen und sicherheitstechnischen Belangen auch die im Schadenfall gegebene Rückendeckung eines Verbandes, wenn es mal heftiger kommen sollte. Nochmals von A wie anwaltliche Beratung bis Z wie Zivilprozess. Nicht zu verachten die Frage: Wie habt ihr euch den organisiert? Seit ihr ein eingetragener Verein oder "nur" in kreis von gleichgesinnten Interessenten? Im Verein ist
das Thema der Verantwortlichkeit = Haftungsobligo doch ziemlich klar und eingrenzend(!) geregelt.
Jeder Mensch kann irren, aber Dummköpfe verharren im Irrtum!
Cicero

DUDA

Wir sind nur gleichgesinnte ohne Verein und Verband hatte schon mehrmals gesagt das wir uns in einen Verein organisieren sollten die Mehrheit war dagegen.....motto wir machen weiter Tuniere und Veranstaltungen denn jeder Schütze ist ja eigenverantwortlich.
Ich sehe das anders und habe deswegen die Gemeinschaft verlassen und bin einen Verein beigetreten da fühl Ich mich persönlich sicherer....

Kuckingen

Wie sagte Jesus, Vergib ihnen Herr, denn sie wissen nicht was sie tun.

Hilft nur wenig in einem sehr komplexen Rechtsstaat.
Eine Rechtsschutzversicherung ist für einen Verein nicht falsch.
Dem klugen Schützen gleicht der höhere Mensch. Verfehlt dieser sein Ziel, so wendet er sich ab und sucht die Ursache seines Fehlschusses in sich!

Waldgeist

Jeder Mensch kann irren, aber Dummköpfe verharren im Irrtum!
Cicero

machichmorgen

Zitatdenn jeder Schütze ist ja eigenverantwortlich


Das ist einfach der größte Blödsinn ever.
Wenn da was passiert haften die Verantwortlichen mit ihrem Privatvermögen.

Der Schütze haftet ausschließlich bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit.

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