3under?

Begonnen von AST, 01.02.18, 11:30

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AST

01.02.18, 11:30 Last Edit: 01.02.18, 20:55 by AST
Weiss jemand, wo und wann das Three-under Release entstanden ist?
Gibt es Zuordnungen zu einer Gegend / Volksstamm oder historische Einordnungen?
Ist es nur eine Variation des mediterranen Ablasses?

psav

In den USA wird es auch "Apache Draw" genannt, in einem Buch über die Bogen der Plains-Indianer (hab es gerade nicht zur Hand) sind verschiedene Griffmethoden abgebildet, ein paar sind ähnlich dem heutigen 3 under, nur war bei den Natives der Daumen immer im Spiel (gab ja keine richtigen Klemmnocken). Der erste mir bekannte "moderne" Bogenschütze der nachweislich 3-under verwendete, war Art Young im frühen 20. Jahrhundert.

MfG

AST

Das mit dem Apache Draw habe ich auch schon gehört - leider kenne ich dafür keine Belege. Die Bilder und Beschreibungen, die ich kenne, zeigen (nennen) Apachen mit mediterranem Ablass.

Bei den Griffmethoden kenne ich die Bücher von Morse und anderen sowie auch das Werk von Laubin. 3under ist nirgends dabei, denn beim sekundären und tertiären Ablass ist der Daumen als ein wichtiges Element im Spiel (speziell, um ein verrutschen des Pfeils zu verhindern).

Wäre schon interessant zu wissen, wo der Art Young das her hat...

0815

Von ISHI hatte er es nicht....
Ist m.E ein moderne Version des mediterranen Ablasses. Ohne Klemmnocken und doppeltem Nockpunkt fast nicht zu schiessen ohne den Pfeil irgenwie nsaders zu sichern.
Die meisten Plainsvoelker verwendeten einen Pinchstil. Wenn man bei diesem den Daumen weglaesst dann kommt dabei sowas wie das 2 oder 3under heraus.
Das 3 under ist vor allem wegen der kurzen Entfernungen beim 3D beliebt. Vor allem bei den Systemschuetzen. Bringt den Ankerpunkt hoeher und den Pfeil staerker unters Auge   , damit die Trefferlage herunter, was fuer kleinere gaps sorgt. Zusammen mit Bogen um die 40# mit schweren Pfeilen im Bereich 550grains+ ist da schon  ein point on (=gap=0) auf 25 yards machbar. Geschossen wird maximal 30 und meist nicht arg viel naeher als 13 yards. Damit ist der Zielpunkt fuer die Pfeilspitze praktisch immer auf dem Tier.
Also 13 yards so 3 inch drunter, bei 18 yards so 4-5, point on bei 25 und fuer 30 yards 2-3 Zoll hoeher. Nur mit so einem System kann man praktisch immer nur 10er oder 11er schiessen...

Schiesst man mal wesentlich weiter, also so bis 60 oder 70 yards, dann wird dieser Ansatz schon schwieriger, denn jetzt muss man deutlich ueber das Ziel halten (ausserhalb der Scheibenflaeche).


AST

Das es ne Unterart des mediterranen Ablasses ist, habe ich mir ja auch gedacht. Die Bezeichnung Apache Draw hat mich dabei verwirrt - wie schon geschrieben habe ich keine Belege für die Verwendung bei Apachen gefunden (für mediterran schon).
Ob jetzt ausschliesslich "Systemschützen" Vorteile davon haben oder ob  3 under generell bei kurzen Distanzen Vorteile hat, da kann man bestimmt lange drüber diskutieren.
Vielleicht ist ja auch was dran, dass 3 under auch sowas wie die Geburtsstunde des Stringwalking war....?

roscho

@AST:

das früheste moderne Bildmaterial das ich kenne ist Art Young.

Zum historischen gibts eigentlich nur Morse´s Buch von 1885

https://www.archerylibrary.com/books/morse/ancient-and-modern-methods-of-arrow-release/docs/notes12.html

Fig. 47, 53 und 55 werden von Morse zwar als "Daumenablass" interpretiert aus meiner Sicht kann das aber auch als 3under interpretiert werden.

Der Untergriff setzt zwar zumindest einen Nockpunktbegrenzer voraus, aber ich könnte mir durchaus vorstellen das ein gewickelter NP auch schon zu früheren Zeiten bekannt war.


AST

Art Young als Jäger hat wahrscheinlich einiges ausprobiert. Gerade für kürzere Distanzen  (bis 30m) hat 3 under wohl Vorteile, da der Pfeil viel direkter unter dem Auge platziert ist, das dürfte auch Art Young überzeugt  haben.
Falls er nicht ausschliesslich 3 under geschossen hat, sondern z.B. bei weiten Schüssen auf klassisch mediterran umgegriffen hat, war sein Schiessstil die Geburtsstunde des Stingwalking.... das ist aber schwer aus den alten Bildern herauszusehen.
Andere Release Techniken hat er auf jeden Fall  kennengelernt (über Pope und Ishi).

Die Bilder von Morse sind sicher nicht eindeutig (sind auch eher Skizzen). Da er sie aber in den Bereich Daumen einordnet, nehme ich an, dass der Daumen zumindest den Pfeil an Ort und Stelle gehalten hat....
Ab wann es Nockpunktbegrenzer in einer für 3 under geeigneten Variante gegeben hat, wäre in dem Zusammenhang eine weitere interessante Frage?

roscho

Aktuell genügen mir bei 3under 7 Schläge Diamondback wie bei mediterran gewickelten Nockpunkten.
Das sollte mit jeder Naturfaser auch zu machen sein.
Das die Altvorderen Knoten könnten, davon gehe ich einfach aus ;)

AST

@roscho
Dass unsere Urahnen das konnten ist keine Frage - inwiefern sie es gemacht haben und ab wann schon eher.
In dem Zusammenhang ist dann auch noch interessant, ab wann es die Mittlwicklung gab?

Simon Thumb

Kurzer Einwurf zum Stringwalking: das ist um 1850 schon bei den Osmanen publiziert und daher total traditionell. /ot off
"Pfeil und Bogen ist für uns alle Neuland." - Angela Merkel

AST

Wenn die Osmanen das SW  schon früher praktiziert haben, haben sie das mit Daumentechnik gemacht, oder in irgendeinem  mediterranem Stil?.
Mich interessiert halt, wann bestimmte Releasetechniken entstanden sind, bzw wie sie zusammenhängen. Ob das dann traditionell ist, oder nicht ist dabei doch egal....
...Es gab auch schon vor über hundert Jahren Vorläufer von den mechanischen Releases (siehe Mylins, the sharpest loose) - im Grunde ist dann eine Releasehilfe auch traditionell.

Simon Thumb

Beschrieben ist gedäumeltes Stringwalking.
"Pfeil und Bogen ist für uns alle Neuland." - Angela Merkel

AST

Beim Gervase Markham (1634) "the Art of Archery" habe ich was über Mittelwicklungen gefunden (Seide um die Hanf oder Flachssehne) - Für den Schutz der Sehne, besseres Release und optimale Passung der Pfeilnock auf der Sehne.

roscho

Das hatten die Koreaner auch, Quelle hab ich aber nur den Duvernay.

AST

Interessant fand ich noch die Beschreibung, dass für die Mittelwicklung Walbarten genommen wurde. Etwas  schwieriger zu wickeln, soll aber Vorteile beim Lösen haben....

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