von Intuitiv zum Systemschiessen

Begonnen von Landbub, 02.11.17, 01:20

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Landbub

Hallo - hat von Euch jemand den Weg gemacht?

Als reiner Intuitiv-Schütze bin ich gerne in Parcours unterwegs und darf mich in Turnieren auch auf Landesebene oft im vorderen Viertel einsortieren in der Blank- oder BHR Klasse. Aber damit ist dann auch bei "guten Tagen" Schluss. Wenn man die Schützen ansieht, die nicht nur ein paar Punkte weiter vorne sind, sondern ganz vorne, die schiessen alle ausnahmslos mit einem System. Wenns erlaubt ist Stringwalking oder wenn nicht, dann Gap-Shooting.
Vorweg -Stringwalking mag ich nicht. Man hats mir erklärt, ich hatte es verstanden und damit auch getroffen aber es fühlt sich falsch an.

Für Gap Shooting müsste ich von von Split Finger auch auf 3under umstellen und ggf. den Anker auch noch über das Jochbein anheben (bzw. die Kuppe des Mittelfingers statt des Zeigefingers zu nehmen), um den Pfeil näher auf Augenhöhe zu bekommen und damit über die Spitze zielen zu können. Das fällt mir schwer und das Trefferbild lässt vermuten, dass ich da sehr viel trainieren muss. Zahlen: Ein Parcours, wo ich mit der 3Pfeilrunde intuitiv an die 500 Punkte komme war ich "anders" bei unter 400 und gerad bei weiteren Zielen, sagen wir mal >25 oder 30m, wo es eben intuitiv eher schwierig ist, sicher das Kill eines Klasse II oder III Viechs zu treffen, hatte ich dennoch den Gap-Punkt so weit vor dem Ziel, dass es zu horizontaler Streuung kam.

Wer von Euch ist diesen Weg gegangen? Mit Erfolg? Wie lange hats gedauert, bis der Erfolg da war?



El Torrro

Für ein anderes System als Intuitiv, musst du aktiv Entfernungen schätzen können. Das ist wohl das Schwierigste. Mir gelingt es leider nicht.
Alles andere ist dann nur die Umsetzung der Technik. Zum Beispiel, die Festlegung von Punkten am Bogen für einzelne Entfernungen.
Gibbs Rule 9: "Never go anywhere without a knife."

Gundog

Zitat von: El Torrro am 02.11.17, 07:26
Für ein anderes System als Intuitiv, musst du aktiv Entfernungen schätzen können. Das ist wohl das Schwierigste. Mir gelingt es leider nicht.


Hast du es schon mal mit einem Buch darüber versucht ? Es gibt die verschiedensten Methoden das Thema zu beherrschen.

Landbub

Ich glaube, Entfernung schätzen wäre nicht das grosse Problem, das kann ich vom Compound so einigermassen. Wo bei man beim Recurve sicher genauer schätzen muss als bei einem 330 fps Bogen.

Aber hab ich das richtig verstanden: Ihr "visiert" nicht über die Pfeilspitze, sondern über Marken am Bogen und könnt damit Splitfinger schiessen? Die hab ich natürlich nicht und bei der Materialkontrollen schaun die da auch drauf, dass am Mittelteil jegliche rückwärtige Beschriftung überklebt ist. Also mit Tricks?

AST

Das Gap-shooting nicht mit Split Finger gehen soll, halte ich persönlich für ein Gerücht.....
Wenn ich visieren wollen würde, käme für mich als erstes "Point of Aim" in Frage. 

rabu

Zum ersten, es gibt auch intuitive Schützen die vorne mitmischen.

Stringwalking funktioniert super (mit Metallbogen) ist aber meiner Meinung nach sehr unsexy !

Viele schießen auch intuitiv, haben aber für weite Entfernungen
wenn das intuitiv nicht mehr so gut klappt ein Hilfssystem.

Es gibt viele Visierpunkte: pfeilspitze, shelf, Fingerknöchel, Marken am. Bogenfenster, nur das Bogenfenster,

Ich kann brauchbar Entfernungen schätzen, trotzdem komme ich mit System nicht gut zurechtm
Gruß
Ralf
Leben ist das, was abläuft während man etwas anderes plant.
James Patterson in "Alex Cross - Blood"

Landbub

Zitat von: AST am 02.11.17, 11:51
Das Gap-shooting nicht mit Split Finger gehen soll, halte ich persönlich für ein Gerücht.....
Wenn ich visieren wollen würde, käme für mich als erstes "Point of Aim" in Frage.


Wenn du systematisches Gap Schooting betreibst, dann ist die Pfeilspitze wie bei Point-of-Aim ein Teil Deines Zielsystems. Und das wird m.E. um so schwieriger / ungenauer, je weiter die Pfeilachse vom Auge weg ist.

Leider sind die Definitionen für Gap-Shooting, Point of Aim und deren Mischformen nicht eindeutig definiert. Das kann man auch gut an den YT Videos sehen, wo das wild durcheinander geworfen wird.

Was ich meine ist, den intuitiven Einfluss weitestgehend zu eliminieren. Dazu die Pfeilachse für die horizontale Visierung und ein System die Pfeilspitze basierend auf der Entfernung für die vertikale Visierung zu placieren.

Landbub

Zitat von: rabu am 02.11.17, 12:37
Zum ersten, es gibt auch intuitive Schützen die vorne mitmischen.


Ich beobachte das nun schon länger, 2 Jahre vielleicht und bin zu einem anderen Schluss gekommen. Leute, die auf einem Parcours mit max 2 oder 3 verfehlten Kills rauskommen (einen 2. Pfeil brauchen die so gut wie nie) oder noch interessanter: bei DH Turnieren die 11 zuverlässig treffen bei "jagdlichen" Entfernungen, verwenden ein System. Man kann das schön auf der Scheibe sehen. Bierdeckel auf 18m. Intuitiv treffe ich max 4 von 6 Pfeile und das ist schon ganz OK. Können auch weniger sein. Ein Systemschütze hat alle 6 drauf und das jedes mal. Da ist kein Unterschied zum Visierschützen.

ragnar

Laß sich das Ziel bewegen, und die Statistik sieht ganz anders aus.
Deswegen sind m.W. auch kaum derartige Systeme historisch überliefert.
Dieses Systemschießen ist eindeutig eine Anpassung an das Bogenschießen als Sport, und speziell statischen Sport.
Jeder mag davon halten was er will.
"Nichts ist so gerecht verteilt wie der gesunde Menschenverstand.
Niemand glaubt, mehr davon zu brauchen als er hat."
(René Descartes)

AST

@Landbub

ich weiß schon, wie es funktioniert...trotzdem halte ich es für ein Gerücht, dass Gap S. und Split Finger nicht funktioniert. Die Lage des Pfeilschaftes wird im wesentlichen durch den Ankerpunkt bestimmt. Einfach den Ankerpunkt nach oben anpassen und....
Wenn man schon visieren möchte, warum dann nicht gleich ein Visier?

Landbub

Zitat von: ragnar am 02.11.17, 13:09
Laß sich das Ziel bewegen, und die Statistik sieht ganz anders aus.
Deswegen sind m.W. auch kaum derartige Systeme historisch überliefert.
Dieses Systemschießen ist eindeutig eine Anpassung an das Bogenschießen als Sport, und speziell statischen Sport.
Jeder mag davon halten was er will.


Natürlich. Ich schreibe hier ausnahmslos vom Sport. Bogenjagd ist für mich kein Thema. Weiter beziehe ich mich auf Bögen, die für sowas ausgelegt sind, also i.W. technische Bögen.
Man findet auch auf keinem Verbandsturnier bewegliche Ziele. Bei Vereinsturnieren schon, klar.
Ich würde sogar soweit gehen, dass man zwischen Feldbogen und 3D seitens der Technik keinen Unterschied machen muss.

Landbub

Zitat von: AST am 02.11.17, 13:34
ich weiß schon, wie es funktioniert...trotzdem halte ich es für ein Gerücht, dass Gap S. und Split Finger nicht funktioniert. Die Lage des Pfeilschaftes wird im wesentlichen durch den Ankerpunkt bestimmt. Einfach den Ankerpunkt nach oben anpassen und....


Das wird nicht wirklich gut funktionieren. Schau Dir im Spiegel mal die Schulter der Sehnenhand an, wenn Du den Anker so weit raufnimmst. Letzendlich hast dann auch irgendwann Deine Zeigefingerkappe im Blickfeld.


Zitat von: AST am 02.11.17, 13:34
Wenn man schon visieren möchte, warum dann nicht gleich ein Visier?


Weil man dann nicht mehr in der Blankbogenklasse schiessen darf.

ragnar

ZitatNatürlich. Ich schreibe hier ausnahmslos vom Sport. Bogenjagd ist für mich kein Thema.

Es ging mir auch eher darum, die Hintergründe zu beleuchten.
Bogenjagd hatte ich auch nicht gemeint - schau dir einmal Videos zu internationalen Bogenreiter-Turnieren an.
Wobei sich hier (bei diesen Turnieren) der Schütze anstatt des Zieles bewegt.
Historisch, z.B. bei der berittenen Jagd und im Krieg, waren sowohl Schütze als auch Ziel in Bewegung. Es hat schon seinen Grund daß sich da kein Visiersystem durchsetzen konnte.
Das hat man den Armbrustschützen überlassen.

Ich schieße weiterhin instinktiv weil:
- es mir mehr Spaß macht
- ich mit Daumentechnik die Pfeilspitze im Vollauszug sowieso nicht sehen kann
"Nichts ist so gerecht verteilt wie der gesunde Menschenverstand.
Niemand glaubt, mehr davon zu brauchen als er hat."
(René Descartes)

machichmorgen

Wo ist das Problem?
Letztlich spielt es keine Rolle ob 3 unter oder mediteran, das System belibt das Gleiche, nur die Zielpunkte
ändern sich, bzw, die Visierlinie und die Geschosslinine variieren zueinander.
Der Eine kann das kompensieren, der Andere mus zu 3unter wechseln und unter dem Augen ankern.

Man kann auch je nach Entfernung zwischen den Systemen wechseln, weit aktiv über die Pfeilspitze,
nah vergleicht man die Verhältnis von Pfeil, Bogen und Ziel zum Beispiel.

Btw. niemand wird über Markierungen am Bogen schießen, weil die abgeklebt werden.
Trotzdem gibt es an jedem Bogen Merkmale, die einem helfen können.

bambus

Zitat von: Landbub am 02.11.17, 12:51
Zitat von: rabu am 02.11.17, 12:37
Zum ersten, es gibt auch intuitive Schützen die vorne mitmischen.


Ich beobachte das nun schon länger, 2 Jahre vielleicht und bin zu einem anderen Schluss gekommen. Leute, die auf einem Parcours mit max 2 oder 3 verfehlten Kills rauskommen (einen 2. Pfeil brauchen die so gut wie nie) oder noch interessanter: bei DH Turnieren die 11 zuverlässig treffen bei "jagdlichen" Entfernungen, verwenden ein System. Man kann das schön auf der Scheibe sehen. Bierdeckel auf 18m. Intuitiv treffe ich max 4 von 6 Pfeile und das ist schon ganz OK. Können auch weniger sein. Ein Systemschütze hat alle 6 drauf und das jedes mal. Da ist kein Unterschied zum Visierschützen.


Wenn du dir die Ergebnislisten auf größeren (und nicht unbedingt jagdlich gestellten) Turnieren ansiehst sind immer wieder intuitive Schützen  auf den vorderen Plätzen (und das regelmäßig) dabei.

Ist zumindest meine Erfahrung aus 13 Jahren Turniersport (für die ersten 3 Jahre lege ich meine Hände nicht ins Feuer) und der Bekanntschaft mit einigen intuitiven Schützen (incl. der morgends beim waschen).
was aber unabdingbar ist, das man bei dieser Schießtechnik permanent, intensiv und sinnvoll übt.
"Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben." George Bernard Shaw

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