Intuitiv und Gefälle... ich bekomme es nicht gebacken!

Begonnen von Amantilado, 16.11.16, 22:31

Nach unten

ragnar

Das Problem ist eben, das sich beide (Instinktiv- und Systemschützen) bei Bergabschüssen in der Entfernung verschätzen, bzw. sich an der absoluten Entfernung orientieren statt der horizontalen.
"Nichts ist so gerecht verteilt wie der gesunde Menschenverstand.
Niemand glaubt, mehr davon zu brauchen als er hat."
(René Descartes)

Sabiji

Ich hatte am WE eine LM im Freien nach DSBV. Große Fita, 144 Pfeile, 9 Stunden - ein absolutes Grauen! aber das ist ein anderes Thema. Interessant war, dass die paar Hanseln ohne Visier alle unterschiedlich an die Sache ran gegangen sind und dabei mehr oder weniger dicht beieinander lagen. Der eine mit mehr Vorteil auf der Entfernung, der andere auf einer anderen. Mit dabei auch ein echter Abgreifer.

Wie ist es bei mir: auf 50 Meter bin ich der Gap(per). Hier komme ich meinen Nullpunkt sehr nahe. Die Pfeilspitze  kommt bei dieser Entfernung unweigerlich in mein Blickfeld. Deswegen binde ich sie ein und setze sie in Relation mit der Lücke zwischen Spitze und der 10 der Auflage. Hier unterscheide ich mich mit dem Abgreifer am wenigsten und hier konnte ich ihn auch schlagen. 40 Meter und 30 Meter: hier spielt die Gap für mich eine geringere bis keine Rolle mehr, dennoch setze ich mein T und den Pfeil in Relation. Ich kontrolliere meine Ausrichtung in Form von Split Vision. Hier zog der Abgreifer mir davon. Auf 40 Meter noch knapp, auf 30 Meter aber schon deutlich. Bei 20 Meter ändert sich wieder alles bei mir. Auch hier richte ich mein T auf die Auflage aus, aber hier habe ich das meiste "Gefühl" drin - die meiste Intuition. Mit 310 Ringen war ich dann wieder knapp in der Nähe des Abgreifers.

Ähnlich geht es mir im Parcours. Ich wechsle die Systeme, je nach Entfernung und Situation, wobei auch hier bei zunehmender Entfernung Systeme wie Split Vision und Gap bewusst angewandt werden. Bis knapp an die 30 Meter tut mein "Gefühl" wie ein Laserpointer arbeiten.
Ich mache mir also tatsächlich Gedanken über die Entfernung und Schusssituation. Das geht sogar so weit, dass wenn ich z.B. in einer Gruppe bin, die auf eine andere aufgelaufen ist, ich aber nicht sehe auf was geschossen wird, dennoch die Zeit zwischen Schuss und Auftreffgeräusch registriere und mich so schon auf das Kommende "vorbereite". So ticke ich halt, ich kann es nicht ändern.

Ich weiß, dass ich gerade im Parcours gerne mal mit der Rückenspannung rumschlampe. Das tue ich dann beim Gappen bei weiten Entfernungen sogar einrechnen. An der Schießlinie bei der oben genannten großen Fita wäre das allerdings tödlich. Hier müssen 6 Pfeile bzw. 2 x 3 Pfeile identisch in´s Ziel gebracht werden. Schussaufbau, Ankerpunkt und Rückenspannung müssen hier identisch passen. Egal ob 50, 40, 30 oder 20 Meter - das ist hier erst mal das wichtigste weitenübergreifende System.

Zum Thema. Als Berliner bin ich Flachlandindianer und so viele Hoch oder Tiefschüsse gibt es Parcourstechnisch nicht. Die paar Hochstand-Schüsse fallen wegen den relativ Entfernungen nicht ins Gewicht. Bei den wenigen Situationen von weiten und deutlichen Hangabschüssen neige ich allerdings eher bei Fehlschüssen knapp drüber zu schießen als zu kurz zu schießen. Sicher eine Sache der Gewöhnung. Man sieht das Tier auf vielleicht 50 Meter und ich schieße "meine" 50 Meter, obwohl ich weiß "Achtung, Neigung! Du müsstest ein müh kürzer halten!" Da streitet sich oft mein Verstand mit dem Gefühl. Leider sagt der Verstand dann häufiger ätsch, habe ich doch gesagt. Aber letztendlich ist das ja auch ein Zeichen dafür, dass im jedem System auch viel Gefühl und natürlich Intuition reinspielt. Es ist bei mir das fehlende Input, das mich zweifeln lässt, wie weit die absolute Entfernung und die Horizontale tatsächlich was ausmachen.

Semper Eadem

AST

Zitat von: Blankbogner am 27.06.17, 11:17
Hier ginge es ursprünglich mal um Bergabschüsse...oder :whistle:

Immer und immer wieder diese endlose Diskussion daß angeblich ein Instinktschütze auch zielt... nur weil das einige Visierer einfach nicht können und wahrhaben wollen... ist echt langsam langweilig...  :bash:
Lasst doch einfach jeden schießen wie er will und lasst es endlich jeden nennen wie er es will...  :-*


wenn es jeder nennt wie er will, redet man automatisch immer wieder aneinander vorbei  ;)

Gundog

Zitat von: ragnar am 27.06.17, 11:41
Das Problem ist eben, das sich beide (Instinktiv- und Systemschützen) bei Bergabschüssen in der Entfernung verschätzen, bzw. sich an der absoluten Entfernung orientieren statt der horizontalen.


Da solche Schätzfehler auch bei nicht bergauf/bergab passieren weil wegen Bodenwelle/Senke/Wasser/Licht-Schatten usw.... gibt es als Hilfe zum Entfernungsschätzen  auch Bücher .. und auch in Deutsch  :whistle:

Corax

Zitat von: Blankbogner am 27.06.17, 11:17
Hier ginge es ursprünglich mal um Bergabschüsse...oder :whistle:

Immer und immer wieder diese endlose Diskussion daß angeblich ein Instinktschütze auch zielt... nur weil das einige Visierer einfach nicht können und wahrhaben wollen... ist echt langsam langweilig...  :bash:
Lasst doch einfach jeden schießen wie er will und lasst es endlich jeden nennen wie er es will...  :-*


Natürlich zielt auch jeder Intsinktschütze, sobald er irgend etwas treffen will.
Wer ein Ziel treffen will zielt - wenn er dabei bewusst Referenzpunkte zueinander in Beziehung bringt, visiert er.
Skua: "ein Bogen ist harmlos, ab zwei vermehren sich die Dinger wie Karnickel!"
Club 52

ragnar

Der Definition kann ich mich anschließen.

Wobei: wenn alle die gleiche Sprache sprechen und dieselben Definitionen voraussetzen würden, wäre es ziemlich still, hier und anderswo ...  ;)
"Nichts ist so gerecht verteilt wie der gesunde Menschenverstand.
Niemand glaubt, mehr davon zu brauchen als er hat."
(René Descartes)

Stringwistler

Servusla, bis bald....Guidl

https://stringwistler.blogspot.de

Gundog

Beim Entfernungsschätzen muss es nicht darum gehen das man die Entfernung in "m" ermittelt und darauf hin sein Wie-Es-Auch-Immer-Heißt-System nutzt.

Z.B. Alleine durch seitliche Bewegung mit dem Kopf (so machen das viele Tiere) bekommt man einen besseren räumlichen Eindruck, quasi durch einen etwas anderen Blickwinkel. Dabei kann es auch helfen nicht nur das Ziel zu fokussieren, sondern auch mal andere markante Stellen zwischen Schütze und Ziel. Gut hilft das wenn da z.B. Bäume stehen.


ErikL

ich muss nochmal nachfrage, aus reinem Interesse und ohne ärgern oder provozieren zu wollen...

ich zB überlege erst ab ca 45m, wobei ich nicht schätze und drunter isses mir auch egal, wie viel höher ich den Bogenarm heben muss...

bei allem drunter richte ich meinen Stand aus, konzentriete mich auf den Punkt den ich treffen will, hebe und ziehe in einem "Aufwasch" bis zum Ankerpunkt, Mundwinkel und lass dann sofort los... wenn ich will kann ich das auch 5s halten, aber ich will nicht...

wie macht man es den nun sonwie Muetze das meint ? das interessiert mich wirklich...

Amantilado

Hallo

...da mein Popkorn gerade leer geworden ist :) ...;
Das tut mir leid, ich wollte mit meiner Fragestellung, bzw. meiner Antwort, keinen Disput auslösen!
Ich hab schön öfters bemerkt, dass bei Fragen zur Technik, der Thread oft auf eine Grundsatzdiskussion über Intuitiv ja/nein hinausläuft. :(  Ist ja auch ne interessante Frage, und vielleicht bekommt irgend ein Neurologe oder Verhaltensphysiologe dafür mal den alternativen Nobelpreis, aber "Kinder",  haut euch nicht die Köppe ein! ;) Ist nur Hobby!

Aber jetzt zur guten Nachricht, in Bezug auf meine Ausgangsfrage! :) (übrigens von November letzen Jahres! ;) )
Ich war am Wochenende  wieder in Collenberg, wo es recht viele Bergauf/Bergab Ziele gibt. Ebenerdig sind da sogar eigentlich die Wenigsten. Und ich kann verkünden, dass ich mittlerweile höher oder tiefer gelegenen Ziele genauso gut (oder auch schlecht) treffe wie Ebenerdige! :)
Und zwar glaube ich, durch meine neue "Intuitive Technik" :D (nein Spaß!) Aber ich persönlich würde es als "Zielen VOR dem Schuss" bezeichnen? Vielleicht ist das auch etwas, was alle Anderen sowieso machen, nur ich halt vorher nicht gemacht habe?
Ich hab auch heute mal versucht bewusst zu "beobachten " (auch um hier berichten zu können) "was" ich jetzt da genau anders mache, ob ich und wie ich beim Schuss ziele, und wie lange ich ankere...
Aber das geht aus wie bei Schrödingers Katze, wenn ich dabei überlege, treffe ich nix mehr! Ich hab sogar im Auszug öfters wieder abgesetzt, weil ich gemerkt habe, "so wird das nix"! Und dann gibt es wieder Ziele, da weiß ich einfach, die "treffe ich" und da überlege ich eigentlich kaum, sonder schieße einfach und die landen dann auch meist sogar im Kill! Aber wie gesagt; ich brauch ne recht lange Einschießphase damit das so funktioniert.
Aber dann macht es mir auf die Art und Weise einfach ne Menge Spaß! Und das ist  doch viel wichtiger, als wie man das nun bezeichnet!? Oder? ;)
Aber um die Diskussion weiter anzuheizen :)D ;
Ich bin schlicht der Meinung, wenn man nicht bewusst mit einem Visiersystem (und ich meine keine "Hardware"!) sondern bewusstes Gap, Markierungen am Bogen oder Stringwalking usw. Arbeitet, sondern sich nur aufs Ziel konzentriert, und nicht bewusst zielt , schießt man intuitiv! Wer es nicht glaubt schaut das Wort mal im Duden nach! ;)
Vielleicht macht man dann "unbewusst "! auch Gab-Shooting" oder sonst was, aber eben unbewusst!
Und zur Mütze ;) ; ich finde "Körperhaltung" und "T" und Auszug sind was anderes als "Zielen". ;)
Ist aber natürlich alles wichtig , wenn man wiederholt treffen möchte!

...ich geh jetzt das Popkorn auffüllen! :)

Schönen Start in die Woche!
Amanti
Bogen: Primitiv Osage 168cm 46# , Peters Razor Hybrid, Ragim TD Recurve
Auszug: 27' Traditionell Intuitiv  über Schelf + Mediterran

stöckchenschubser

28.06.17, 10:22 #100 Last Edit: 28.06.17, 10:28 by stöckchenschubser
Zitatbei allem drunter richte ich meinen Stand aus


Das wäre schon die erste bewusste Handlung im Schießablauf.

@ Amantilado

Das ganze drüber und drunter halten ist für nicht visierende Schützen einfach Mumpitz.
Halte so, dass du triffst, fertig. Pass dich dem Gelände an, stell dich am Hang einfach mal breitbeiniger
ins Gefälle, und du du kommst deinem ebenerdigen Schuss Mit T und allem was dazu gehört,
schon wieder ein ganzes Stück näher. Das Abknicken in der Hüfte sollte immer die letzte Option sein.

Wenn du seitwärts am Hang stehst, also den Hang entlang schießen musst, dann stell einen Fuß vor
oder zurück, wie ist wuscht, wichtig ist nur, dass du wieder gerade stehst und dich nicht in den Hang lehnst.

bambus

Zitat von: Blankbogner am 27.06.17, 14:42
Ich gebs auf.... :whistle: :weird:


Yepp, jetzt hat es sich für mich auch erledigt. Nicht auf dich, Blankbogen,  bezogen,
aber bisher dachte ich, Antworten sei eine Kulturleistung, bei der das Verstehen des Anderen zumindest ansatzweise beteiligt ist. Aber offensichtlich ist nicht mal Schreiben eine bewusste Handlung ...

Na gut, wieder was gelernt...
"Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben." George Bernard Shaw

wolfsspur

Zitat von: bambus am 28.06.17, 10:36
Zitat von: Blankbogner am 27.06.17, 14:42
Ich gebs auf.... :whistle: :weird:


Yepp, jetzt hat es sich für mich auch erledigt. .......


Ich verstehe nicht, warum man dann noch seinen Senf dazu geben muss.
Es gibt eben auch hier eine jüngere Generation ( damit ist nicht das Lebensalter gemeint ), die das gleiche Bedürfniss hat solche Fragen zu diskutieren und wie auch immer geartete Erkenntnisse daraus zu gewinnen.

AST

Aus den von Mütze geposteten Links kann die jüngere Generation ne Menge herauslesen... und so der Thread noch offen ist,kann da auch noch wieder diskutiert werden... :whistle:

Muetze

Ich bin kein böser Mensch, ich bin Bogenbauer. Mein maß an Sarkasmus entspricht exakt Deinem maß an Blödheit.

Nach oben