Ankerpunkt und Auszug

Begonnen von GrandeCorona, 21.08.16, 13:23

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GrandeCorona

Hallo,

ich habe vor eineinhalb Wochen mit dem Schießen angefangen und probiere zurzeit den richtigen Ankerpunkt zu finden.
Ich schieße blank, das soll so auch bleiben.
Mein Auszug ist ca 30´ bei 189cm Körpergröße, im Moment schieße ich im Verein mit einem 28er Recurve.
Wenn ich meinen Anker mit dem Mittelfinger am Mundwinkel habe, steht mein Sehnenarm leicht ab und ich habe einen Knick im Handgelenk.
Ankere ich weiter hinten, mit dem Daumen unter dem Kiefergelenk komme ich gefühlt in den vollen Auszug mit geradem Arm, aber habe dann einen weiteren Abstand zum Pfeil. Das macht sich auf 18m schon bemerkbar.

Meint ihr, das liegt an der Technik oder am Körperbau, dass mein Arm bei erster Variante mehr absteht und aus der T-Linie ausbricht? Bin ich womöglich durch meinen Körperbau auf die letztere Ankermöglichkeit begrenzt? Der Auszug bei der zweiten Möglichkeit müsste dann ja bei 31´ ungefähr liegen.

Heidjer

Am Körperbau glaube ich nicht, jeder kann so im Mundwinke ankern.

Ich vermute eine falsche Kopfhaltung, zu weit vorne ,hinten oder seitlich aus der optimalen Achse. Ohne Bilder aber schwer zu beantworten.


Gruß Dirk
Der Pfeilschaft, gemacht aus der Pflanzen hölzern Teil, versehen mit eines Vogels Federn und einer Spitze, aus der Erde Mineral, versteckt sich gerne.

GrandeCorona

Danke für die schnelle Antwort.
An der Kopfhaltung kann es liegen. Ich versuche beim experimentieren mit Bogenneigung und Kopfneigung mein dominantes Auge gut über den Pfeil zu bekommen.
In den meisten Beschreibungen sieht man eine leicht Kopfneigung. Deswegen bin ich mir da unsicher. Beim völlig geraden stehen habe ich das Auge nicht über den Pfeil bekommen, bin Brillenträger muss ich dazu sagen.

norbert schliebener


stöckchenschubser

Das kann schon daran liegen.
Grund ist, dass du zwanghaft im Mundwinkel ankern und das Auge hinter den Pfeil bekommen willst.
Beides ist kein Muss und kann durch Training ausgeglichen werden.

Leichter wird es mit dem Zeigefinger im Mundwinkel.
Dann kommt man auch mit dem Daumen unter dem Kiefer mit dem Auge hinter die Sehne.

In beiden Fällen scheint es aber mit der Rückenspannung nicht zu klappen, bzw. die Zugschulter
wird nicht weit genug zurück genommen.

GrandeCorona

22.08.16, 17:12 #5 Last Edit: 22.08.16, 17:50 by GrandeCorona
Ok.
Meine Bemühungen mit dem Mittelfinger zu ankern kommen durch Beispiele von Barebow Shootern aus Videos.
Ich habe gerade ein Video gesehen, in dem sogar olympische Schützen mit schlechter Linearität der Gelenke gezeigt werden.

Habe mich gerade nochmal belesen und folgendes gefunden, was für mich sehr sinnvoll erscheint:

"Ein zweiter wichtiger Begriff ist: Optimale Zuglänge
Dieser Ausdruck ersetzt den Begriff „Ankerpunkt", der im Kopf des Schützen so etwas wie: „Anhalten und Stillstand" bewirkt. Außerdem, anstatt die Aufmerksamkeit auf das, was im Rücken- und Schulterbereich passiert zu lenken, denkt der Schütze an den Zusammenhang zwischen Zughand und Kinn.
Der wahre Anker entsteht, wenn Zugschulter und Schulterblatt die Stellung einnehmen, die am besten für die Ausführung der Rückenspannung ist.
Definition:" Optimale Zuglänge ist die Strecke, die der Schütze die Sehne auszieht, in der er eine saubere Ausrichtung des Körpers einnimmt, um die beste Skeletthaltung zu erzielen, die für die Ausübung der Rückenspannung notwendig ist."
Diese Strecke hat verschiedene untergeordnete Bezugspunkte an Gesicht und Hals, die der Schütze benutzen kann, um Beständigkeit im Erreichen des vollen Auszugs zu bekommen.
Das Wichtigste ist jedoch die korrekte Haltung von Schulter und Schulterblatt der Zugseite.
Die optimale Zuglänge ist die Voraussetzung für die Rückenspannung und sollte bei jedem Teil des Schußablaufs Vorrang haben."

Das heißt wohl ich sollte meinem Körpergefühl vertrauen, auch wenn der Ankerpunkt vergleichsweise extrem nach hinten wandert.

AST

Es gibt viele verschiedene Ansichten darüber, was richtig und was falsch ist. Das ganze hängt auch stark davon ab, was man will - bzw. welche Art Bogen man schießt.
Die üblichen Lehrmeinungen stellen meist ein sehr technikfocussiertes Schießen (Olympic Recurve) als Optimum in den Vordergrund, was man auch aus deiner (Grande Corona) Beschreibung herausliest.

Es gibt aber darüber hinaus noch weitere  Arten zu schießen, die komplett andeers sind und die in erster Linie vom verwendeten Bogen abhängen - Bsp. Warbow, kurze indianische Bögen, sogenannte Reiterbögen, usw.
Alle diese Bögeen bedingen im Grunde einen eigenen Schießstil mit dem es dann funktioniert - letztendlich gilt immeer noch:"Wer trifft hat Recht ;)"

eiger2000

Ich weiß nicht woher der Mundwinkelanker kommt, denke jedoch dass er nur bei relativ wenigen Schützen bei denen die Anatomie zufällig passt wirklich zutreffend ist. Ich hatte nach 7 Jahren Mundwinkelanker die Faxen dicke und hab voll ausgezogen.Auf einmal waren es 32,5" statt 31". Es dauerte eine Weile bis die Sehne nicht mehr die Wange gestreift hat und bis ich meinen Anker gefunden hatte. Ich bin mit dem Daumen Hinterkante  Ohr. Obwohl ich so ein paar Lbs mehr (jetzt ~55#) auf den Fingern hab lässt sich der Bogen so wesentlich leichter im Anker halten. Das Ganze fühlt sich viel geiler an und ich brauche deutlich länger bis ich müde werde. Das Trefferbild  ist inzwischen besser wie es vorher war.

GrandeCorona

@Ast

Ich will gar nicht zum olympischen Schießen. Ich will ja Blank schießen und traditionell. Jedoch dachte ich die Basics müssten überall gleich sein. Wenn ich ein hohes Zuggewicht schießen will (in weiter Ferne vllt) dann brauch ich natürlich eine saubere Technik. Ich habe auch kurz überlegt ob ich Daumentechnik lerne, weil ich die Reiterbögen ziemlich schön finde.

@Eiger2000

Genauso sieht es bei mir dann auch aus.  Ich habe bei vollem Auszug ein viel besseres Gefühl im Rücken, auch wenn das Gap zum Auge größer wird. Ich hab das Gefühl das Lösen geht von allein und linear nach hinten und der Pfeil fliegt deutlich ruhiger. Wäre dann wohl auch bei 32 Zoll.
Beruhigt mich, dass ich nicht allein da stehe.
Ich werde das nächste Mal mit weiterem Auszug schießen und schauen wie sich das anfühlt.

Trasher

Egal was Du schiesst, zieh so weit aus das Du dich damit wohlfühlst und sauber in die Rückenspannung kommst!
Wer lesen kann ist klar im Vorteil wenn man die Fähigkeit besitzt den Inhalt zu verstehen

Greenie

Ich denke, es ist völlig egal wo Du ankerst. Wichtig ist nur, dass Du in der Rückenspannung bist und einen, zwei oder mehr Referenzpunkte im Anker hast.
Ob jetzt mit dem Mittelfinger im Mundwinkel, mit dem Daumen hinter dem Kiefer oder wie und wo auch immer. Du musst es bei jedem Pfeil reproduzieren können.
Letztendlich entwickelt jeder seine individuelle Technik und das wichtigste dabei ist, dass Du Dich wohl fühlst.
Die besten Dinge im Leben sind nicht die, die man für Geld bekommt.

Bembeljäger o.V.

GrandeCorona

Ich habe gestern gemerkt, dass ich den Auszug schon falsch begonnen habe. Ich habe nicht mit hohem Ellenbogen gezogen, sondern etliche cm drunter. Das scheint mein Handgelenk immer in eine abgeknickte Position von Beginn an gebracht zu haben. Ich übe das zu Hause mal mit dem Theraband.
Scheint auch ein Punkt zu sein, der essenziell ist. Mein Einführungslehrer hat mir das anscheinend nicht so gut beigebracht.

lim naru ungol

Ohne dich beim Schiessen beobachten zu können ist es schwierig die richtigen Ratschläge zugeben.

Da du erst wenige Wochen schießt und dies wohl in einem Verein machst, würde ich mich dort an einen Trainer wenden.
Der hat die Möglichkeit dich zu beobachten und entsprechend zu korrigieren.

Der Einstieg in das Bogenschießen ist zwar relativ einfach, eine saubere Technik dagegen schon schwieriger.
Ich arbeite daran seit 8 Jahren.  :whistle:
Und mit jedem Punkt den ich verändere/optimiere zeigen sich meist mindestens zwei neue Verbesserungsmöglichkeiten.  :red:

Und gib deinem "Einführungslehrer" auch Zeit.
Denn ich kann dir aus eigener Erfahrung versichern, daß es nicht immer ganz einfach ist jemanden das Bogenschießen zu vermitteln.
Das geht auch nur Schritt für Schritt, mit entsprechenden Themenschwerpunkten.

lg

AST

24.08.16, 17:18 #13 Last Edit: 27.08.16, 12:59 by AST
@Grande Corona

was ich meine ist: die Abläufe beim Schuß (Stand, restliche Körperhaltung (speziell Bogenarm), Auszug, Anker, Release) sind grundsätzlich - die Ausführung aber je nach Bogenart, Schießstil bzw. individuellen Vorlieben ganz unterschiedlich....
Du wirst im Moment, nach deiner Beschreibung, recht starr und mit dem Focus auf eine bestimmte Technik (das stammt vom Olympic Recurve und geht auch in diese Richtung) an die Thematik herangeführt.
Blank heißt in diesem Zusammenhang ja nur "ohne Visier" und DAS traditionelle Bogenschiessen gibt es so nicht, denn es gibt viele Arten mit traditionellen Bögen zu schießen.

sagittarius

Schau Dir mal das Video von Chris Billingsgate an.
Hat mir sehr geholfen :-)))

https://www.youtube.com/watch?v=NhS7cxWVzGM

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