Pfeilherstellung im Mittelalter

Begonnen von Jath, 25.06.14, 15:11

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PG

die Kriegspfeile des englischen 14. Jahrhunderts waren Massenware, das kann man wohl nicht mit den Pfeilen von Urvölkern vergleichen. Übrigens, könnte es nicht sein, dass die Schäfte schon gedrechselt wurden?  so primitiv, wie man immer meint, war das Mittelalter nicht.

Peter
Never too old to Rock 'n' Roll, but too young for Schlagermusik

Nergal Recurve 66"39#
Marduk LB 68"40#
Osage Selfbow, 68"40#
Bambus Massa, 68"48#

funkenflug

wieso nicht, Peter?
Ich denke z.B. an Schneeballschößlinge und andere geeignte Hölzer!
Über Feuer erwärmt, dann gerichtet und auf Länge geschnitten, fertig ist der Schaft.
wieso wäre damit keine Massenfertigung möglich?!
lg Funkenflug

wilfrid

Also, die enlischen Pfeile waren bestimmt nicht schlechter als die der Urvölker, beide haben schließlich gleich viel Erfahrung in der Herstellung.

Zum anderen, drechseln geht nich, da die Länge der Pfeile und die Dicke dafür sorgen, das das Holz dem Schneiddruck ausweicht.
So primitiv und so dumm , wie man heute meint, waren die damals wirklich nicht.
Ob die am Ende /zur Kalibrierung sowas wie Dübelschneider hattten?? Eine bzw zwei Dickenlehren ganz sicher, durch Loch 1 muß er durch, durch loch 2 nicht, passt ist wahrscheinlich, vielleicht hat ein pfiffiger Pfeilbauer seine Pfeile am Ende durch ne Ziehdüse gezogen, aber das weiß man nicht.
Mach einfach mal den Verleich, Spaltlinge von 3/4" Dicke über ne Hobellade und  mit dem Ziehmesseer/Ziehblech und dann gerade biegen, wo Du schneller saubere Schäfte mit hin bekommst.
Esche läßt sich gut spalten, hat aber meist Drehwuchs, Pappel spaltet schlechter ist aber gerader.

Einfach 2 Stammabschnitte von 1m Länge, spalten und machen ....

bambus

Irgendwo gabs mal ne Zahl, wieviele Pfeile in den Magazinen (Tower) für Kriegszüge gelagert wurden. Ihx weiß die genaue Zahl nicht mehr, es war aber in der Größenordnung von >> 100.000

Die Rechnung ist ziemlich simpel: für ca. 8000 Bogenschützen je 30-50 Pfeile, das ist mehr als man mit Schößlingen einfach machen kann. Zudem ist der Aufwand für Pfeile aus Schößlingen für Massenware einfach zu hoch. Einfach mal selber ausprobieren.

Zum Anderen, Roger Asham hat sich schon über die Qualität von Esche (von Spaltlingen) als Schaftholz ausgelassen. Aus dem Gedächtnis: "... schwere Pfeile aus Esche ziehen so richtig gut rein..."  :green:
"Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben." George Bernard Shaw

Locksley

Massenfertigung wäre hier nicht möglich gewesen, da die Schäfte für die englischen Bogenschüssen standardisiert waren.


Arrows

The English war arrow was known as the Livery, Sheaf, or Standard arrow. They had a large diameter, were cut to the legal yard, and were made from a variety of woods. Aspen, Poplar, Elder, Birch, and Willow were used for flight arrows because of their weight. Heavier woods like Ash and Hornbeam were also used, primarily because though a heavier arrow would not travel as far, it had greater penetration. Fletchings were between 7 and 9 inches, and were tied and glued to the shaft.

ebenfalls interessant:

Up to 1/2" Ash was the standard shaft, I believe. A medieval arrow found
in Westminster Abbey was barrelled - 0.41" at the pile, 0.45" in the
middle, down to 0.33" at the nock. Other shafts, found in the 'Mary Rose',
were Birch, Hornbeam, Oak, Poplar and Alder.

http://www.student.utwente.nl/~sagi/artikel/usenet/draw.html
Lieber krumme Eibe, als grades Glas.

wilfrid

Sehe ich mir die Holzauswahl an, hatten die Englishman sowohl Spalt als auch Schößlingspfeile.
Denn Elder , Alder und Hornbeam haben zwar gerade Schößlinge, die auch richtbar sind, aber Holunder ist wegen der Dicke und der Rest wegen der Spaltbarkeit nicht sonderlich geeignet zum Spalten und dann Schäfte draus machen.
Erle wächst oft so in sich verdreht, da ist kaum was gerades raus zu spalten, schon garnicht in 98 cm Länge und Hainbuche? Wovon träumt ihr nachts?
Birke ist kein Thema ..
Was den Schößlingspfeilbau angeht, ist garnicht sooo schlimm, Stockausschlag ernten,richten, trocknen , entrinden und an die richtigen Stellen rausschneiden.

Elm

Zitat von: wilfrid am 26.06.14, 09:43
Wovon träumt ihr nachts?


Von gefüllten Bierkannen und nackten Maiden, welche sich zum Klang von Trommeln, Harfen und Flöten beim Blót in Trance um die Weltenesche bei Uppsala wiegen.

Habi

Zitat von: Elm am 26.06.14, 11:15
Zitat von: wilfrid am 26.06.14, 09:43
Wovon träumt ihr nachts?


Von gefüllten Bierkannen und nackten Maiden, welche sich zum Klang von Trommeln, Harfen und Flöten beim Blót in Trance um die Weltenesche bei Uppsala wiegen.


:tu: :tu: :tu:
Wenn du jemals Hilfe brauchst, zögere nicht, sie dir zuerst bei jemand anderen zu holen.    Kurt Cobain

Locksley

Lieber krumme Eibe, als grades Glas.

wilfrid


funkenflug

danke Wilfrid für deine Unterstützung!
genauso dachte ich auch, selbst wenn 100000 Pfeile im Arsenal gebunkert wurden, wurden sie doch nicht an einem Tag gebaut.
Falls es den Beruf des Pfeilebauers gab, wird er sich nicht anders verhalten haben, als z.B ein Korbflechter.
Der braucht Weidenschößlinge, die er sich durch viel Vorarbeit "heranzüchtet"
Ebenso wird der Pfeilbauer sich seine Schößlinge herangezüchtet haben.
Wir dürfen auch nicht vergessen, das es im Mittelalter wesentlich mehr Natur gab, und damit mehr Sträucher und Büsche, die zur Pfeilherstellung geeignet waren!
auch konnten z.B. englische Bogenbauer in großen Mengen auf heimmische Eibe zurückgreifen, die heutzutage in England fast gänzlich verschwunden ist!
lg Funkenflug

Wolverine

Lagerten im Jahre 1523 einem Bericht zufolge allein im Tower von London 11.000 Bogen, 6.000 Bogenstäbe, 384.000 Pfeile und 86.400 Bogensehnen.
Die Eibenrohlinge stammten in erster Linie aus Süddeutschland und Norditalien und es entwickelte sich ein sehr lebhafter Handel. Wegen der großen Nachfrage wurde die Eibe rücksichtslos abgeholzt, so dass sie in der freien Natur in Europa relativ selten wurde.

laut Tante Wicki  :!: :whistle:
Es gibt Menschen, die zeigen Dir immer wieder, wie Du niemals werden willst.
Bögen von Bavarian Longbow, Black Widow, Centaur, Wapiti Bows, Martin

Elm

26.06.14, 22:32 #27 Last Edit: 26.06.14, 22:36 by Elm
Zitat von: Wolverine am 26.06.14, 21:31
Die Eibenrohlinge stammten in erster Linie aus Süddeutschland und Norditalien und es entwickelte sich ein sehr lebhafter Handel.

laut Tante Wicki  :!: :whistle:


Jaja, Wikipedia war schon immer sehr germanophil.
Im oberösterr. Salzkammergut gibt es den Eibenberg.
Ich war mehrfach oben.
Zwar ist der Grund, warum dort mittlerweile kaum noch Bäume wachsen mittlerweile der Borkenkäfer, im Mittelalter war es jedoch der
florierende Handel des Klerus mit England mit Eibenstaves, warum es dort schon lange keine Eibe mehr gibt.
Es gibt bei uns noch Eiben, sogar welche, die zu Napolenons Zeiten schon uralt waren.
Aber nur abseits der damaligen Hauptverkehrsrouten = der wenigen Straßen.

ZitatWegen der großen Nachfrage wurde die Eibe rücksichtslos abgeholzt, so dass sie in der freien Natur in Europa relativ selten wurde.


Abgeholzt wurde sie vor allem, um die Pferde der Botenreiter, der Pferdekutschen und später der Pferdeeisenbahn nicht zu gefährden.



wilfrid

Und die "Waldweide" nicht vergessen. Überall, wo ne Eibe hochkam, haben die Hirten die ausgerissen. Denn auch Rinder fressen Eiben und verrecken dran

walta

Zitat von: funkenflug am 26.06.14, 21:11
Falls es den Beruf des Pfeilebauers gab,...

Freilich gab es den, gibst ja auch heute noch.

pfeilschnitzer

Ich hab die Homepage vom Jolinar wider gefunden.

Walta

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