Für Daumentechnik-Interessierte: www.thumbarchery.de

Begonnen von Eberesche, 07.04.14, 12:41

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Robert Hut

Von den Treffen hab ich gelesen. Ich wohne im dunkelsten Sauerland. Aber warum nicht mal das mit nem Kurzurlaub verbinden!  :tu:

Gruss
Hubi
EAT, SLEEP, ARCHERY, REPEAT !

Simon Thumb

Hallo!
Mir war mal wieder danach, etwas zu schreiben. Diesmal widme ich mich dem Zielen. Teil 1 davon ist ab sofort online. Teil 2 folgt bald.
Vielleicht hat ja wer Spaß daran, oder ein bischen Erkenntnis.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne Mittagspause!
"Pfeil und Bogen ist für uns alle Neuland." - Angela Merkel

Simon Thumb

"Pfeil und Bogen ist für uns alle Neuland." - Angela Merkel

Simon Thumb

Gute Nachrichten für alle, die bei dem Wort für die Wurfarmenden/Hebel von Kompositbögen nicht so recht wissen, wo das "h" hin soll. Es gibt ja eine tolle Bandbreite an Schreibweisen in deutschen Bogenforen: Shia, Shiya, Siyah, Siyha und sicher noch viele mehr.

Da mein arabisch laaaangsam wird, hab ich mich mal auf die Suche nach dem Wort gemacht, was mir nicht so leicht fiel. Ich habe es im Hans-Wehr Wörterbuch und in "Die Waffen der alten Araber" von Dr. Friedrich Wilhelm Schwarzlose gefunden. Beide Male ohne "h." Wer bisher nicht so recht wusste wie, kann also das "h" komplett rauslassen. :)
Ein paar Details hab ich noch im Artikel über die Bogennomenklatur auf unserer Seite http://www.thumbarchery.de/ hinzugefügt. Für die Freunde des unnützen Wissens und des gepflegten Klugschisses.

Ich würde mich über eine kurze Rückmeldung freuen, wenn sowas für euch interessant ist.
"Pfeil und Bogen ist für uns alle Neuland." - Angela Merkel

Janitschar

Also schlicht einfach Siya....  dabei hab ich mir das "h" doch antrainieren müssen.

Dankeschön.

Gruß
Stephan

AST

könnte man nicht einfach " nach vorne gebogenes Ende" oder "gegenläufig gebogenes Bogenende" schreiben? - immer diese komischen Bezeichnungen von denen Niemand weiß, wie sie eigentlich heissen und geschrieben werden....  ;)

Simon Thumb

4 Buchstaben sind besser als 4 Wörter, lieber Ast. :)

Und ob die Siyas (eig. Siyat :) ) zwingend in nem Winkel zum Wurfarm stehen, oder auch einfach eine gerade Fortsetzung sein können möchte ich nicht festlegen müssen.

Und wenn du, lieber Stephan, hinten ein "h" dranschreibst, ist das auch okay. Es muss ja nicht sein, dass das in allen englischen Büchern grundlos so steht. Nur für den Fall, dass du nicht genau weißt, wohin damit ... dann lass es einfach raus und gut. :)
"Pfeil und Bogen ist für uns alle Neuland." - Angela Merkel

ragnar

Um da einmal meinen Senf dazuzugeben:

Erstens ist das Buch des Herrn F.H. Schwarzlose aus einer Zeit, als der Duden (d.h. eine genormte Rechtschreibung) noch nicht wirklich verankert war. Das passierte zufälligerweise etwa zur selben Zeit wie die Erstveröffentlichung.

Zweitens handelt es sich bei dem Wort um eine Transkription. Und die sind stark sprachspezifisch.
Ich war zum Beispiel einmal in  Жито́мир, und habe dort for Ort 5 (fünf) verschiedene Transkriptionen des Stadtnamens gesehen.
"Nichts ist so gerecht verteilt wie der gesunde Menschenverstand.
Niemand glaubt, mehr davon zu brauchen als er hat."
(René Descartes)

Simon Thumb

Zitat von: ragnar am 30.05.18, 12:20Erstens ist das Buch des Herrn F.H. Schwarzlose aus einer Zeit, als der Duden (d.h. eine genormte Rechtschreibung) noch nicht wirklich verankert war.

Der Duden gilt für die deutsche Sprache, lieber Ragnar. Für die arabische Sprache darfst du ihn gerne auch versuchen anzuwenden. Das ist dann aber deine Sache.
"Pfeil und Bogen ist für uns alle Neuland." - Angela Merkel

ragnar

Vielleicht solltest du den Rest des Kommentares auch lesen. Ich denke du weist, was "Transkription" bedeutet.

Die deutsche Sprache, wie viele andere auch, enthält Lehnwörter, die nach Übernahme den Rechtschreibregeln unterliegen. Wenn das Wort transkribiert wurde, einigt man (wer auch immer) sich auf eine Schreibweise.
Ein Beispiel sei das Wort "Taxi". Da kann ich auch nicht einfach Taksi, Tacsy oder Daggsi schreiben, wenn ich lustig bin.

Für derart "exotischen" Bereiche wie das traditionelle Bogenschießen scheint da kein Normierungsdruck zu bestehen.
"Nichts ist so gerecht verteilt wie der gesunde Menschenverstand.
Niemand glaubt, mehr davon zu brauchen als er hat."
(René Descartes)

Ralph

Also Moment mal:

AST hat schon recht, wenn er meint, dass es immer wieder Aufheben um Worte gibt, die reflektionslos aus anderen Sprachen übernommen werden (insbesondere im Bogensport), ohne sich im Geringsten über sie selbst, deren Bedeutung an sich oder die Möglichkeit der Übertragung in die eigene Sprache Gedanken zu machen.
Mich kotzen in diesem Zusammenhang die Angehörigen der Denglischfraktion auch an..."Hach...ich kann Englisch...Centershot-Let-off-Fade-out-Masturbationimus-maximus". :evil:

Aber zum Thema (welches wohl nur ventiliert wird, auf dass man eine bestimmte Seite hype - sonst rein akademischer Natur ist):

Das Buch von Schwarzlose ist wirklich nicht die beste Quelle:
In Büchern wie diesem vermischen sich Dichtung, Wahrheit und - kraft dessen Erscheinungszeit - Vorurtele und Idealismus zu sehr. Damit steht dieses Werk Zeit seiner Erscheinung aber nicht allein.

Das Wörterbuch von Wehr ist in Fachkreisen auch nicht kritiklos.

Ungeachtet dessen übersetzt es den Begriff nur mit ,,gebogener Teil des Bogens" - was Interpretationsspielraum läßt, da nicht nur die Wurfarmenden an den betreffenden Bogen "gebogen" sind.

Wenn man dieses aber einmal ausser acht lässt, ist In Sachen Transkription aber auch Fakt, dass der Begriff bei Wehr, wie auch bei Schwarzlose mit ,,sìá" bzw. "saíá"- meine Tastatur gibt hier keine korrekte Interpunktion her - abgebildet wird, mithin mit einem ,,Ta-marabuta" als letztem Buchstaben. Das heißt, das Wort endet auf ,,-a" bzw., wenn man auf die Wurzel zurücksieht, auf ,,-at", wobei im Sprachgebrauch das ,,t" nicht mehr mitgesprochen wird (sondern ggf. nur bei der Bildung eines regulären Plurals oder Suffixen wieder eine Rolle spielt).
Da bleibt für Fehler in der Transkribierung kein Raum, da es bzgl. dieses Buchstabens keine Doppeldeutungsmöglichkeiten geben kann und gibt - ganz im Gegensatz z. B. zu den diversen Formen des ,,h", "t" oder ,,s", die verschieden transkribiert werden könnten.

Die Lösung, welche Form der Schreibweise denn für den "gebogenen Teil des Bogens", unterstellt diese Formulierung würde denn wirkich nur die Wurfarmenden meinen, korrekt ist, könnte sich nur aus Quellenvergleichen ergeben - will heißen, wie dieser Teil des Bogens in unterschiedlichen Abhandlungen zu der Thematik konkret in der Landessprache geschrieben wird - zumal Schwarzlose in FN 1 S. 267 selbst eine mögliche andere Schreibweise "sihía" angibt.
"Über's Niederträchtige
Niemand sich beklage;
Denn es ist das Mächtige,
Was man dir auch sage." - Goethe, West.östl. Diwan, Buch des Unmuts

Ralph

Nachsatz:

Mit "Quellen", die für einen wirklichen Vergleich herangezogen werden müssten, meine ich Primärquellen, also historische Dokumente, Abdrucke davon etc..

Das Werk von Schwarzlose ist - obgleich unzweifelhaft interessant - leider nur eine Sekundärquelle, die zudem in dem bereits angedeuteten, etwas unglücklichen Kontext steht.

Sicher kann man darüber streiten, wie tief man in die Problematik einsteigen kann oder muß bzw. welche "Tragweite" hier überhaupt vorliegt.

Wenn man sich jedoch, bei aller Anerkennung für die Mühe, die sich jemand macht, mit etwas befasst und nur Sekundärquellen zur Verfügung hat, besteht bei jeder historischen Untersuchung die Gefahr, dass ggf. Interpretationen oder schlicht Falsches mitgeschleppt, repetiert und im Zuge "stiller Post" solange weitergegeben und verändert bzw. interpretiert wird, bis daraus eine vollkommen andere, "neue Wahrheit" entsteht, die mit der Ursprünglichen leider nichts mehr zu tun hat.

Dieses (bittere) Problem hat aber jeder Historiker.... :(

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Niemand sich beklage;
Denn es ist das Mächtige,
Was man dir auch sage." - Goethe, West.östl. Diwan, Buch des Unmuts

Simon Thumb

Ich bin da ethymologisch ran gegangen, weil ich das üben wollte. Außerdem geht das drölfzich mal schneller als eine ausgiebige Primärquellenanalyse.
Siya ist ein Masdar 1 von sawiya und macht daher Sinn. Siya bedeutet dann: Dings das (etwas, also hier:) den Bogen in die richtige Form bringt.
Sihya ist ein Masdar 1 von sahā und macht daher keinen Sinn. Sahā bedeutet (geistig) abgelenkt sein. Oder im Passiv als eben "in Gedanken verloren sein." Also völlig anderes Verb als Basis für das Substantiv (Verbalnomen).

Dieses Differenzieren und aufdrösen hat halt echt wenig Praxisnutzen. Darum hab ich kurz und bündig geschrieben, dass ich Siya bevorzuge, weil ich Siyah als Transskription nicht nachvollziehen kann. Was ich bevorzuge ist halt mein Ding. Das schöne an Siya ist halt, dass man sich die mögliche Fehlerquelle des Fehlplatzierten "h" spart. Und das ist doch ein Mehrwert für alle, die wollen. Darum schrieb ich das eigentlich. Ich hoffe nicht alle Leser hatten Pech beim Denken.

Außerdem halte ich Siyah und andere Transskriptionen nicht für grundsätzlich falsch. Ich verstehe nur nicht, warum die richtig sein sollen. Wenn da wer fit in arab. Grammatik ist und für Siyah oder Sihya sinnige Interprätationen auf Lager hat: Bitte!
"Pfeil und Bogen ist für uns alle Neuland." - Angela Merkel

ragnar

ZitatAußerdem halte ich Siyah und andere Transskriptionen nicht für grundsätzlich falsch. Ich verstehe nur nicht, warum die richtig sein sollen. Wenn da wer fit in arab. Grammatik ist und für Siyah oder Sihya sinnige Interprätationen auf Lager hat: Bitte!
Nicht arabisch, aber russisch.
Und da geht es bei einer Transkription schließlich um das gleiche Problem - "Lautmalen", also die Nachahmung eines fremdsprachigen Wortes mit Buchstaben des eigenen Alphabets.
Möglicherweise wollte der Erfinder der "Siyah" - Schreibweise damit andeuten, daß das "a" etwas langgezogen oder betont wird. Reine Spekulation.
Gute Anschauungsbeispiele in dieser Richtung sind die Differenzen zwischen der deutschen und der englisch/amerikanischen Transkription, sowohl des Chinesischen als auch des Russischen.
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Niemand glaubt, mehr davon zu brauchen als er hat."
(René Descartes)

Simon Thumb

Zitat von: ragnar am 09.07.18, 13:04Möglicherweise wollte der Erfinder der "Siyah" - Schreibweise damit andeuten, daß das "a" etwas langgezogen oder betont wird. Reine Spekulation.

Könnte zwar sein, würde aber sowas von überhaupt garkeinen Sinn machen, da sich schlicht kein Wort finden lässt, dass diese Schreibweise verlangt und von der Bedeutung her Sinn ergibt. Da ich hier trotzdem noch dem Zweifel eine Chance geben mag, schlage ich weiterhin bloß vor, das "h" einfach nur wegzulassen um die Welt etwas einfacher zu machen, und halte das Wort "siyah" mit "h" hinten nicht für völligen Quark.
"Pfeil und Bogen ist für uns alle Neuland." - Angela Merkel

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