der andere Ring

Begonnen von -Nietzsche-, 05.03.14, 20:03

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-Nietzsche-

Da "Der eine Ring" ja bereits im Besitz eines Forum-Mitglieds ist, geht es jetzt eben um "Den anderen Ring"  ;)
...genauer gesagt, um's Rampendesign für Daumenringe.

Jeder, der mit dem Daumenringschießen anfängt, kennt das:
Man lässt los - und der Pfeil verabschiedet sich vom Bogen mit einem kernigen RaaaTttTsch! und fliegt auf das Ziel zu wie ein Hase auf der Flucht. Dann fängt das Herumprobieren mit Schießtechniken, Spinewerten und Nockpunkten an, wobei eine entscheidende Sache meist übersehen wird: Der Ring!
Im Handel gibt es eigentlich nur eine einzige Ringform zu kaufen - und die eignet sich leider nicht für jede Technik, jeden Bogen und jeden Daumen. Um schonmal vorzugreifen, auch, wenn das vielleicht etwas "einschüchternd" für einen Daumen-Einsteiger sein mag: Jeder Daumen-Schütze sollte sich seine Ringe selbst anfertigen, damit sie auf ihn & seine Schußtechnik passen.
Bei den Standard-Ringen z.B. ist (für meinen Geschmack) der Sehnenrest zu tief - und die Rampe viel zu flach. Das hat zur Folge, daß die Sehne sich nicht sanft löst, sondern beim Lösen aus der Rest hüpft - also abhebt - um dann nach einigen Millimetern mit Schwung auf die Rampe zu knallen (das kann man sogar fühlen: Die Sehne schlägt auf das Ende des Daumens). Die Sehne springt also beim Lösen, als würde sie eine zweistufige Treppe herunterfallen. Daß der Pfeil da vor lauter Schreck garnicht weiß, wo er hin soll, kann man sich vorstellen.

Mit einem runden, weichen Rest und einer hohen Rampe , die kreisrund endet (wie eine Rutsche vom Kinderspielplatz), sind diese Probleme auf einen Schlag behoben:
Der Pfeil löst sich leise und unspektakulär vom Bogen und fliegt - abhängig vom Spine - nach 2 bis 3 Biegezyklen kerzengerade weiter. Man kann den Bogen mit so einem Ring bequem festhalten - ein Wegdrehen (Magyar) oder Flippen (Türkisch, wobei die Türken so schon lange nicht mehr schießen...) ist nicht erforderlich.

Der Nachteil: Bei so einer Rest greift man die Sehne nie wirklich immer an derselben Stelle...

Welche Erfahrungen habt ihr mit euren Designs sammeln können? Was sind die Pros & Cons?
In gespannter Erwartung verharrt
euer Nietzsche

sneaky

Wie sieht den Dein  Rampendesign aus ?
Bilder?

Eberesche

Hallo,
zeig doch mal bitte, wie der erwähnte "herkömmliche" Ring aus dem Handel, den du meinst, aussieht - ich kenne einige, aber aus der Problembeschreibung werde ich noch nicht so recht schlau. Und natürlich wäre das Aussehen deiner verbesserten Variante interessant.

Ganz allgemein: Der Ring muss zum Schützen und zur Fingerhaltung passen. Selber basteln erhöht die Chance, dass das klappt, ist natürlich ein gutes Stück Arbeit. Die industriell hergestellten und in 8 abgestuften Größen gelieferten Daumenringe, die ich kürzlich in Korea bestellt habe (siehe Anhang), scheinen bis jetzt recht vielen Leuten zu passen und eine Alternative zum selber Schnitzen darzustellen.

Einen schlechten Pfeilflug habe ich bis jetzt häufiger bei schlechter Technik als bei falschem Material gesehen - auch, weil ein richtig ungeeigneter Ring so wehtut, dass sowieso niemand länger damit übt. Im Zweifel ist man mit einem Handschuh oder Tab dann besser beraten als mit einem schlechten Ring.

Gruß
Anna
Der Klügere sollte nur nachgeben, wenn er es verantworten kann.  (Gerlinde Nyncke)

Amber

05.03.14, 21:33 #3 Last Edit: 05.03.14, 22:04 by Amber
Zitat von: sneaky am 05.03.14, 20:17
Wie sieht den Dein  Rampendesign aus ?
Bilder?

Bin ja ein "Greenhorn" in Bezug auf das Schießen mit Daumenring. NEIN, nicht jeder der mit dem Daumenringschießen anfängt kennt das! Ich z.B. nicht. Habe aber bereits im gleichnamigen Thread vermeldet, dass alles hübsch ist.....
Ok, so ne Maßanfertigung ist optimal, aber nicht jedem möglich. Ich kann nur sagen, dass ich sehr gut zurecht komme und weder Raatttsch noch knallen  und schon gar nicht Schmerzen erlebt habe. Mir macht es richtig Spaß (weil es mal so ganz anderes ist). Ich sach nur: Technik  :whistle:
Nieztsche, sei so gut und gib mal die Details bekannt, bitte auch Bilder als Anschauungsobjekte, die solch Unmut in dir ausgelöst haben.
By the Way: ich liebe Philosophie...aber nicht hier.

Grüße
Hilde
Wie die Gedanken, die du am häufigsten denkst, ganz so ist deine Gesinnung (Marc Aurel)

-Nietzsche-

Okay, ich stell' morgen mal ein paar Pics 'rein (ihr habt recht - mit Bildern lässt sich sowas besser erklären)
@Anna: Das, was Du gepostet hast, sind die "Normalen", von denen ich gesprochen hatte. Ich habe keine Erfahrungswerte, was kleine Größen betrifft (ich vermute jetzt einfach mal, daß deine Finger kleiner als meine sind). Spürst Du auch diesen Schlag am Ende deiner Daumenkuppe?
@Hilde: Philosophie ist tot  :green: Hast Du vielleicht schon von Anfang an den Bogen weggedreht?

Eberesche

Hallo,

einen Schlag auf der Daumenkuppe habe noch nie gespürt. Das würde ja keinen Spaß machen. Und der von mir gezeigte koreanische Ring hat keine "Kerbe" oder "Rest", aus der die Sehne raus "hüpfen" müsste. Die saust nur auf dem kürzesten Weg nach vorne, wenn man nicht mehr fest (genug) hält. Die Teile sind arschglatt, deshalb fällt es auch völligen Anfängern leicht ohne Sehnengewackel zu lösen. Mit dem Hornring, den ich die letzten zwei Jahre benutzt habe (Bild), war das etwas schwieriger - ich hatte damals geglaubt, die leichte Einkerbung sei ein Vorteil, da er trotzdem recht gut funktionierte wurde er dann nicht mehr bearbeitet.

Gruß
Anna
Der Klügere sollte nur nachgeben, wenn er es verantworten kann.  (Gerlinde Nyncke)

Amber

Ach Niztsche, Philosophie ist nicht tot. Braucht halt Zeit und Ort....
Ja, habe den Bogen leicht weggedreht, konnte aber auch gut schießen, wenn der Bogen senkrecht war. Quasi aus jeder Haltung heraus, was ja auch Sinn und Zweck dieser Technik ist. Selbst im Kopfstand kann man schießen..
Mein Daumenring (normal und schlicht) sitzt perfekt und ich habe keine Grund zur Klage  :)
Wie die Gedanken, die du am häufigsten denkst, ganz so ist deine Gesinnung (Marc Aurel)

-Nietzsche-

@Anna: Äh, ja... ich hätte vielleicht VORHER mal dein Bild auf volle Größe aufmachen sollen LOL
Bei dem Design wundert es mich nicht so, daß die Sehne glatt vom Ring streicht. Hält dieses Design denn die Sehne nach hinten gut fest? Sieht so aus, als könnte die Sehne leicht HINTER den Ring rutschen & sich da verkeilen...
Bei dem Ring mit dem Groove wundert es mich echt, daß man damit überhaupt irgendwie schießen kann  :weird: ...und Du sagst, der ging?
@Hilde: Das ist natürlich super, daß das bei dir gleich von Anfang an so toll klappt  :)

Eberesche

Hallo,
hätte mich gewundert, wenn du die Plastikringe an jeder Ecke hier im Handel gefunden hättest - dann hätten wir uns die Mühe der Bestellung in Korea sparen können ;) Ich kannte zum Kaufen bisher auch nur recht schwierige Exemplare, aber diese Dinger scheinen echt zu taugen. Hinter den Ring rutscht die Sehne nicht, die kleinen "Flügelchen" oben verhindern das. Hautkontakt mit der Sehne gibts also nur an dem kleinen Fleck in der Mitte, wenn überhaupt. Wenn man den Daumen so hält, wie dieser Ring gedacht ist, ist das auch sicher zu halten. Bei anderen Ringen muss man den Daumen je nach Form mehr oder weniger knicken, damit es passt.

Mein Hornring: Der ging. Kannst alle fragen, mit denen ich in den letzten zwei Jahren auf Turnier war :D

Beste Grüße
Anna
Der Klügere sollte nur nachgeben, wenn er es verantworten kann.  (Gerlinde Nyncke)

Amber

Siehste woll, Anna. Ich dachte, die Kerbe macht den Ring erst perfekt. So wie du es nun beschreibst, eher hinderlich. Zitat: Die saust nur auf dem kürzesten Weg nach vorne, wenn man nicht mehr fest (genug) hält.Zitat Ende. Jepp, so hab ich es auch erlebt. Arschglatt und wech ist der Pfeil  ;)

Beste Grüße

Hilde
Wie die Gedanken, die du am häufigsten denkst, ganz so ist deine Gesinnung (Marc Aurel)

bambus

Zitat von: -Nietzsche- am 05.03.14, 22:14
Okay, ich stell' morgen mal ein paar Pics 'rein (ihr habt recht - mit Bildern lässt sich sowas besser erklären)
@Anna: Das, was Du gepostet hast, sind die "Normalen", von denen ich gesprochen hatte. Ich habe keine Erfahrungswerte, was kleine Größen betrifft (ich vermute jetzt einfach mal, daß deine Finger kleiner als meine sind). Spürst Du auch diesen Schlag am Ende deiner Daumenkuppe?
@Hilde: Philosophie ist tot  :green: Hast Du vielleicht schon von Anfang an den Bogen weggedreht?


Bilder wären wirklich gut - das Verständnis, was du mit welchem Begriff  jeweils meinst erschließt sich mir nicht.

- "Normale" Ringe - gibbet es nicht. Ein Blick ins Kay Koppedreyers Büchlein oder auf die Sammlung der Greyson Collecztion zeigt so sehr verschiedene Daumenringe, das man daraus keinen "Normalo" anleiten kann - nur ein gemeinsames Prinzip.
- Einen Schlag auf die Daumenkuppe spüre ich mit dem Ring von Anna nicht (und wenn man sich die Dimensionen der Ringe und des Daumens klar macht, kann es einen Schlag auf die äußerste Daumenkuppe nur bei einer sehr seltsamen Lösetechnik geben.


Und zuletzt, wer behauptet, Philosopie sei tot redet von etwas, was er nicht verstanden hat  :green:
"Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben." George Bernard Shaw

Janitschar

06.03.14, 12:50 #11 Last Edit: 06.03.14, 12:58 by Janitschar
Eine eigenartige Srache verwendest du Nietzsche.

Mir gehts ähnlich wie bambus, der große Sinn deines Ansinnen bleibt mir verschlossen.

Ich schieße nun seit ca sieben oder acht Jahren nur per Daumen.
Der erste Schutz war aus Leder dann kam ein Eschring gefolgt von diversen Alumiumringen und jetzt seit drei Jahren einen Ring aus stabilisiertem Holz, der bald ein Kopie aus Silber erhält.

Zuerst schau dir doch mal hier die Designs an:
Daumenringe

Im Groben gibt es zwei Richtungen.
1. Das erste Daumengelenk ist relativ gestreckt = Sehne liegt vor dem Ring, osmanische Form & Manchu-Form
2.Das Daumengelenk stark angwinkelt = Die Sehne liegt auf dem Ring, koreanische Ringe

Der Kyudo-Handschuh stellt hier eine Sonderform dar.

Du siehst also, der Ring ist abhängig von deinem bevorzugten Riegel (Verschluss der Zugahnd) und nicht andersherum.

Welcher Riegel nun für dich als angenehm gilt, musst du selbst rausfinden.
Ich persönlich kann nicht mit einem angewinkelten Daumen anfangen, zudem schieße ich osmanisch/mamlukisch.

Ein Vor- oder Nachteil zwischen den beiden Varianten gibt es mMn nicht.

Und ja, mit Ausnahme von den organisierten Ringen von Eberesche, gilt es einen Ring sich selber zu machen oder jemand zu fragen ob er einem dabei hilft.

Gruß
Stephan

corto

ich wollte anmerken, hättest du (nietzsche) den post vor paar Jahren erstellt wäre hier mehr los...

die Daumenhysterie oder der Hype (ohne das jetzt negativ zu meinen) hat seinen peak erstmal überschritten ;)

nun gilt es mmn zu konsolidieren, die Grundlagen sind da.

-Nietzsche-

@Janitschar: Cool, so einen Thread hätte ich damals brauchen können, dann hätte ich nicht bei 0 anfangen müssen  :bash:
...daß es einen Hype gab (der schon wieder vorbei ist), habe ich nicht mitbekommen, da ich erst seit 4 Jahren zum Bogen gewechselt habe, was das Schießen angeht... und mich zu der Zeit nur alle dumm anguckten, als ich fragte, wie das mit dem Daumen funktioniert...
Naja, dafür habe ich ein paar Sachen herausfinden können, die vielleicht noch nicht jedem aufgefallen sind:
Wenn das mit dem Bilder einfügen funktioniert hat, sieht man jetzt unter meinem Gelaber ein Bild mit 3 Ringen.

-Ganz rechts ist eine Form, die die Sehne mit der geringstmöglichen Seitenbewegung löst, die Sehne läuft also sehr flach nach vorn. Hierbei hat der Pfeil kaum die Möglichkeit, an dem Bogen zu streifen. Die kugelrunde Rampe hat aber einen gewaltigen Nachteil: Die Kontaktfläche der Sehne ist riesig. Beim Schuß aus der Maschine fällt das nicht auf, aber wenn man den Bogen per Hand schießt, reichen schon kleine Unregelmäßigkeiten beim Lösen, um den Streukreis signifikant zu vergrößern.

-Ganz links ist quasi die verbesserte Variante des "hohe Rampe Prinzips" vom rechten: Hier läuft die Sehne nur auf 2 schmalen Kontaktspuren. Zudem hat der Ring einen sehr weichen Rest, der einem ein gutes Gefühl für den Lösemoment vermittelt (die favorisierte Art des Lösens ist natürlich völlig individuell & subjektiv. Mir persönlich gefällt ein weicher Rest). Diesen Ring benutze ich, wenn ich präzise schießen will.

-In der Mitte ist ein modifizierter "Standard-Ring" (hatte die klassische Dreiecksform). Die verbreiterte Auflagefläche verteilt den Druck besser und unterdrückt dadurch ein Schnappen des Rings (was sonst eine 2. Berührung der Sehne nach dem Lösen bedeuten würde). Die flache Bauform verursacht eine gewaltige Seitenbewegung der Sehne, was man beim Schießen mit der Hand noch deutlicher merkt als mit der Maschine. Die Pfeile "eiern" dadurch im Flug sichtbar. Trotzdem verwende ich diesen Ring gern, da man mit ihm sehr schnell schießen kann - die flache Form behindert kaum beim "nachladen".

@bambus: Verständnis impliziert Logik. Logik aber ist ein Konzept, dem ich als überzeugter Discordianer nichts abgewinnen kann  :eierprinz:

bambus

Na dann, wenn das so ist... (hervorhebungen von mir)
ZitatDiskordianismus (v. lat.: discordia „Zwietracht“) ist eine parodistische Religion um die griechische Göttin Eris bzw. die römische Göttin Discordia aus dem Buch Illuminatus! von Robert Anton Wilson. Zunächst als Fankultur gepflegt, hat sich der Diskordianismus als Religionsparodie verselbständigt und schließlich zum festen Bestandteil der Internetfolklore entwickelt.


Ok, also nichts ernsthaftes... das geht mit der Zeit vorbei ...  :eierprinz:
"Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben." George Bernard Shaw

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