Ankerpunkt unter dem Auge und der Nahkampf mit dem Sehnenschatten

Begonnen von Siga-Siga, 02.04.13, 17:15

Siga-Siga

Ich habe ein Problemchen, das sich wahrscheinlich ziemlich seltsam anhört.
Mein Trainingsbogen ist ein Recurve mit großem Schussfenster und ich schiesse damit in nahezu senkrechter Stellung mit einem Verfahren, das man im weitesten Sinne "Point of aim" nennen könnte.

Dazu las ich bei Herrn Vorderegger, dass man bei diesem Stil die Nocke möglichst unter das Auge und damit die Sehne vor das Auge bringen sollte.
Im Ergebnis habe ich ein waberndes weisses Etwas vor meinem dominaten Auge und  das nervt ungeheuer beim Fixieren des Ziels.
Bei meinem Jagdbogen, den ich natürlich neige, habe ich das Problem naturgemäss nicht.

Mach ich das so überhaupt richtig oder soll ich die Sehne lieber leicht neben das Auge bringen oder den Bogen auch neigen ?


rook


Siga-Siga

Es ist nur ziemlich deprimierend, dass die Trefferlage sich erstmal dramatisch verschlechtert.
Nuja, für einen blutigen Anfänger ist es wohl nach 5 Wochen extrem unangemessen, auf diese Weise herumzujaulen  :red:

Der Mitstreiter, der seine Erfahrungen unter dem zweiten Link schildert, scheint da ja auch einen langen Weg gegangen zu sein.

Muss ich doch mal meine Geduldspillen suchen gehen.

rook

Naja,- lernen und üben tut man ja sein ganzes leben lang.
Das ist ja auch der Spaß daran ;)

Siga-Siga

Bis gestern war meine Bogenanfänger-Welt halbwegs in Ordnung. Ich schaffe auf 15m zuverlässig Streukreise zwischen Bierdeckel und Suppenteller und ich fand das für 6 Wochen Üben schon ganz ok.

Ich ankere mit dem Mittelfinger am Mundwinkel und zwei weiteren Referenzpunkten, dem Daumengelenk am Kieferbogen und der oberen Handkante leicht am Oberkieferknochen. Diesen Anker kann ich beliebig oft und sehr genau reproduzieren.

Die Sehne liegt dabei in der Gelenkfalte des Mittelfingers, etwas vor der Gelenkfalte des sehr kurzen Zeigefingers und auch etwas vor der Gelenkfalte des Ringfingers.
Das schien mit stabil und bequem. Ich schiesse einen Recurve und das aufrecht und senkrecht.

Gestern sagte mir unser Vereinstrainer das ich leicht schräg in die Sehne greife und das sei nicht so gut. Ich verdrehe die Sehne dabei nicht.

Dann habe ich gestern als Trockenübung versucht, den berühmten 90° Winkel zwischen den Fingern und der Sehne zu bewerkstelligen, was dazu führt, dass ich die Zughand vom Gesicht wegdrehe und meine beiden Referenzpunkte irgendwie flöten gehen. Um diese Sicherheit zu retten, habe ich ein Gewürge der Extraklasse mit der Kopfposition und der Hand veranstaltet. Jetzt tut mir alles weh, meine Halswirbelssäule schmerzt ohne Ende und ich bin ziemlich deprimiert.

Offenbar passen die reine Lehre und meine Hand- und Gesichtsanatomie nicht so gut zusammen. Dazu kommt, dass ich den Kopf leicht zum Bogen hin neige, weil ich im Halswirbelbereich nicht mehr so beweglich bin.

Witzigerweise greift Frau Vorderegger auf dem Titelbild eines Buches genau auf die gleiche Weise in die Sehne.

Ist dieser 90°-Winkel absolut zwingend für eine sauberen Ablass oder kann ich das so lassen wie vorher ?

stöckchenschubser

Die "Lehre" ist ein Anhalt, die immmer auf den Schützen persönlich zugeschnitten werden muss.
Nicht der Schütze auf die "Lehre"

MW

Wenn du vorher getroffen hast und deine Haltung bequem war, dann hast du alles richtig gemacht und es wäre Unsinn etwas zu ändern!

Der frühe Wurm fängt den Specht!

rook

Mache es SO wie du dich am wohlsten fühlst.
Früher oder später fängst du ganz von selber an dich zu analysieren und Dinge auszuprobieren.

Konstruktive Kritik ist zwar immer gut,- allerdings solltest Du nie mehr als eine einzige Sache verändern.
Also nicht gleichzeitig Zughandposition, Ankergriff, Ankerpunkte usw. auf einmal.
Dann kannst du selber entscheiden ob es für dich "passt" oder nicht.

Wenn du alles auf einmal verändert, hast du keine Kontrolle über die einzelnen Faktoren und landest du genau Da, wo du dich jetzt grade befindest...

Also Kopf hoch und noch einmal zurück auf Los ;)



spelman

Bevor du dir was abbrichst, geh besser zurück zu einer bequemeren Haltung.  8)
Wenn du allerdings, wie du schreibst, ohnehin den Kopf neigst, dann solltest du Bogen und Kopf zusammen bewegen. Dadurch solltest du auch deine Referenzpunkte behalten können.

LG, Jochen
... und das gute Wetter ist immer links hinter dem Wind!

Siga-Siga

Naja, ich neige den Kopf ein wenig

Ich stelle gleich mal ein Video rein, dann sieht man vielleicht, was ich meine.

Siga-Siga

Kleine Vorgeschichte von der Bekämpfung eines Phantomfehlers

Neue Grifftechnik mit der Zughand, weil ich angeblich schief in die Sehne greife, mit den folgenden Konsequenzen
- wo ich gerade ankere ist eher ein Zufallsprodukt, weil ich mit der neuen Zughandhaltung keinen vernünftigen Referenzpunkt mehr finde
- das Gefühl für eine gute Rückenspannung und sauberes Lösen ist auch futsch
- mein Trefferbild verdient diesen Namen eigentlich nicht mehr
- mir schlägt ständig die Sehne gegen den Armschutz, das hatte ich vorher fast nie
die gute Nachricht
- ich treffe aus 8m noch die Scheibe
- ich habe einen nahezu exakten 90° Winkel zwischen Fingern und Sehne, mein Trainer wäre stolz auf mich

Die eigentliche Ursache
Ein Test mit einem Tab zeigte den simplen Effekt, dass meine Zugfinger sehr schief aussehen, weil die Finger des Handschuhs beim Auszug etwas seltsam verdreht werden  :bash:
Aus Prinzip musste ich anschliessend 60 Pfeile aus 15m in ein 60er FITA-Gold ballern, ohne Ausreisser. Dass hab ich dann dringend gebraucht. :green:

Kann mir jemand einen guten ""gefühlsechten" Handschuh empfehlen. Die gepanzerten Varianten ala Speedglove kann ich nicht so gut leiden ?


wilfrid

Naja, die reine Lehre ...
Sagte mal, wollt Ihr Boenschießen oder Pakete tragen??? Die Sehne gehört nah der mir beigebrachten reinen Lehre auf die Fingerkuppen. Sonst muß die nämlich auf der ganzen Läng eines Fingerglieds langrutschen, während Du das beim Lösen streckst. Das ght mal klangsamer und mal schneller auf, ja nun, denne rutscht die Sehnne mal mehr oder weniger zum Bogenarm ....
Das zum Thema "reine Lehre". Schieß Deinen Bogen , wie Du Deinen Jagdbogen schießt. Nach meiner bescheidenen Bogenschießerfahrung ist dieses Kusceln mit dem Pfeil oder was auch immer nur schmerzhaft. Stell Dich gerade hin, zieh amPfeil/der Sehne, bis die Hand, der Daumen oder  sonstwas neben Deinem Gesicht ist und laß los. Da kann Dir die Hand nicht ins Gesicht hauen, die Brille bleibt drauf und der Pfeil landet im Kill.
Als Fragezeichen kannst Du keine gescheite Rückenspannung aufbauen . Wenn Dus versuchst, tut Dir der Nacken und die Lendenwirbelsäule sowie der Beckenkamm weh

Siga-Siga

Ein kleines Video wolle ich noch nachschieben

An diesem Wegfliegen der Hand nach dem Lösen arbeite ich gerade  :green:
Viel Rückenspannung war allerdings auch nicht im Spiel. Mir ging es da um die Zughand



http://www.youtube.com/watch?v=CPM2PhwaeyQ&feature=youtu.be

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