Zuggewicht

Begonnen von Jath, 10.09.12, 23:30

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AST

@Netzwanze

dann ist es doch gut, dass wir darüber gesprochen haben :tu:

Kyujin

11.09.12, 21:22 #46 Last Edit: 11.09.12, 21:26 by Kyujin
Zitat von: corto am 11.09.12, 14:52
ich hab ein verständnisproblem.

der tennisarm ist ja eine sehnenscheidenzundung am unterarm.
du hast aber diese art schmerz im Ellenbogen? also am gelenk?


Im Gegentum. Der sogenannte Tennisellenbogen ist eine degenerative Erkrankung des Sehnenansatzes (eine "Enthesiopathie") des M. extensor carpi radialis brevis (evtl. auch des M. extensor digitorum communis)  am lateralen Epicondylus des Oberarmknochens. Vulgo:  In unmittelbarer Nähe der Außenseite des Ellenbogengelenkes.  Mit Sehnenscheide hat das nichts zu tun, und es ist auch keine Entzündung. Weh tut es trotzdem.
Johannes Ibel
ã,ªã,¹ãƒ­å¼"é"å"会  Oslo KyÅ«dō Kyōkai - Forening for tradisjonell japansk bueskyting

Ralf57

Zitat von: Kyujin am 11.09.12, 21:22
Zitat von: corto am 11.09.12, 14:52
ich hab ein verständnisproblem.

der tennisarm ist ja eine sehnenscheidenzundung am unterarm.
du hast aber diese art schmerz im Ellenbogen? also am gelenk?


Im Gegentum. Der sogenannte Tennisellenbogen ist eine degenerative Erkrankung des Sehnenansatzes (eine "Enthesiopathie") des M. extensor carpi radialis brevis (evtl. auch des M. extensor digitorum communis)  am lateralen Epicondylus des Oberarmknochens. Vulgo:  In unmittelbarer Nähe der Außenseite des Ellenbogengelenkes.  Mit Sehnenscheide hat das nichts zu tun, und es ist auch keine Entzündung. Weh tut es trotzdem.


Ich danke Dir!
Gruß Ralf

Kyujin

Der Vollständigkeit halber der übliche Disclaimer: Was dir fehlt, weiß ich latürnich nicht. Schmerzen in diesem Bereich können auf einer guten Handvoll ganz verschiedener Ursachen beruhen. Ich sehe zum Beispiel nicht selten Patienten, die jahrelang erfolglos behandelt und sogar operiert wurden, aber eigentlich ein Nackenproblem haben.
Johannes Ibel
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Tatar

Ich habe einen Bogenkollegen der sein Leben lang Krafttraining macht, ( und seit 40 Jahren Bogen schießt).
Jetzt ist er 66, hat keinerlei körperliche Beschwerden und zieht seine 70 lbs immer noch wie ein Jüngling die Harfe...

Von daher geb ich Bertegeier recht, auf lange Sicht macht Krafttraining + Bogensport Sinn.
Mache es selbst genauso, und auch schon seit Jahren und hab keine Gelenkschäden oder sowas.....


Herr Grau

18.09.12, 02:00 #50 Last Edit: 18.09.12, 02:12 by Herr Grau
Zitat von: Kyujin am 11.09.12, 21:22
Im Gegentum. Der sogenannte Tennisellenbogen ist eine degenerative Erkrankung des Sehnenansatzes (eine "Enthesiopathie") des M. extensor carpi radialis brevis (evtl. auch des M. extensor digitorum communis)  am lateralen Epicondylus des Oberarmknochens. Vulgo:  In unmittelbarer Nähe der Außenseite des Ellenbogengelenkes.  Mit Sehnenscheide hat das nichts zu tun, und es ist auch keine Entzündung. Weh tut es trotzdem.


Tut mir leid, aber das ist an mehreren Punkten falsch. Das Ganze hat keine degenerative Komponente, sondern ist eine aseptische Entzündung.
Dazu kommt, dass die Muskeln im Normalfall nicht differenziert werden können; am Epicondylus setzen vier Extensoren und der Supinator an und wenn man mal nen Hohmann operiert hat, weiß man, dass sie am Ansatz ein einziger Sehnenstrang sind, die Faszien sind da noch nicht erkennbar. Entsprechend sind auch alle Bewegungen, die dieses fünf Muskeln betreffen, im Normalfall schmerzhaft.
Richtig ist, dass es nichts mit Sehnenscheiden am Hut hat.  :whistle:


Über den Rest des Themas verbindliche Aussagen zu machen, ist schwierig. Richtig ist, dass Bänder und Sehen länger brauchen, um sich Belastungen anzupassen als Muskeln. Entsprechend sollten Gewichte im Training, ob beim Bogenschießen oder Krafttraining, nicht zu schnell erhöht werden.
Was die Gelenke angeht:
Dauerhafte Reizzustände im Gelenk können fast alle Gelenkanteile beschädigen. Wer also seine Gelenke ständig überbelastet und reizt, wird sie auf Dauer irreparabel schädigen. Das Tückische daran ist, dass diese Reizung nicht unbedingt bemerkbar sein muss. Starke Belastung im Sinne von repetitiver Bewegung mag ein Faktor sein, als besonders problematisch schätze ich aber den Schock ein. Knorpelschäden können auftreten, wenn dem Gelenk zu viel Last ausgebürdet wird, ohne dass dazwischen ausreichende Pausen liegen, in denen der Knorpel sich wieder rehydrieren kann. Diese drei Komponenten - Repetition, Schock, Überlast - greifen natürlich ineinander und verschlimmern sich gegenseitig.
Meine Empfehlung daher:
1. Zuggewichte langsam steigern.
2. Überlasten vermeiden, bei großen Zugkräften ausreichende Pausen einlegen
3. Bögen auswählen, die wenig Schuss"schlag" oder -"schock" haben
4. Auf jeden Fall aufhören, wenn man auch nur den geringsten Eindruck hat, dass es zu viel wird. Bei Problemen schonen und evt. zum Arzt gehen.
Gerade der letzte Punkt scheint so selbstverständlich, aber ihr würdet euch wundern, wie viele Patienten ihre eigenen Instinkte einfach blöd ignorieren und weiter machen, obwohl sie es eigentlich besser wissen.

Hoffe genervt zu haben.  ;)

Achso, P.S.: Bitte denkt auch immer daran, dass Menschen sehr unterschiedlich sind. Nur weil Heinz seit vierzig Jahren raucht und einen 1220lbs Bogen schießt, heißt nicht, dass Heribert nicht nach drei Monaten an Lungenkrebs und Sehnenscheidenentzündung stirbt...

Gantenbert

ICH KANN AN SEHNENSCHEIDENENTZÜNDUNG STERBEN?!?!?!?!?!??!! :eek:
Die herrschenden Ideen einer Zeit waren stets nur die Ideen der herrschenden Klasse.<br />K.M.

Herr Grau

Zitat von: Bertgeier am 18.09.12, 02:05
ICH KANN AN SEHNENSCHEIDENENTZÜNDUNG STERBEN?!?!?!?!?!??!! :eek:

Klar. Wenn dir einer nen Klavier annen Kopp schmeißt und Du wegen der Sehnenscheidenentzündung die rechte Hand zum Fangen nicht schnell genug hoch kriegst..  :green:

walta

Er hat geschrieben "Lungenkrebs und Sehnenscheidenentzündung" - jedes einzelne für sich ist nicht tödlich - ausser natürlich bei der Sache mit dem Klavier!!!

:-)))

walta
ps: @grau - schmeiss doch oben mal ein paar Fremdwörter raus dann kann man den Artikel gut lesen, grundsätzlich wäre er nämlich sehr interessant.

Herr Grau

Okay.. Im Teil ab "Über den Rest des Themas" finde ich nur die Worte "Repetition" und "Rehydrieren". Die sind schnell erklärt: Repitition heißt Wiederholung. Rehydrierung beschreibt in diesem Zusammenhang, dass Knorpel eine Art Wasserkissen ist. Seine guten dämpfenden Eigenschaften kommen daher. Desweiteren ernährt er sich aus der ihn füllenden Flüssigkeit (die natürlich nicht nur Wasser ist). Wenn er zu lange unter Last ist, presst die gesamte Flüssigkeit heraus, die dämpfenden Eigenschaften werden schlechter, der Knorpel ist dabei auch schlecht ernährt. Beides zusammen macht ihn verwundbar.

Der obere Teil war an Kyujin gerichtet.
Ich kann aber gerne auch den Tennisellengogen kurz erklären. Bei Überlastung können sich Sehnenansätze (wie Schleimbeutel, Fettkörper, Sehnenscheiden... bei anderen Erkrankungen) entzünden. Besonders oft kommt das am s.g. lateralen Epicondylus des Oberarmknochens vor. Das ist der Knubbel, den man findet, wenn man mit der flachen Hand unter geringem Druck einfach am seitlichen Oberarm herunterstreicht, dessen darzugehöriger Unterarm auf den Bauch aufgelegt hat. Man streicht also seitlich an der Ellenbeuge vorbei und spürt vielleicht drei Zentimeter vor Ende des Ellenbogens einen Knubbel. Dort setzen fünf wichtige Muskeln des Unterarms an, unter anderem zwei, die die Hand anheben, einer, der sie in Richtung Daumen dreht und Muskeln für den Faustschluss. Deshalb sind diese drei Bewegungen die schmerzhaften Kennbegewegungen bei dieser Erkrankung. Die Entzündung ist nicht "septisch", das heißt durch Bakterien oder Viren ausgelöst, sondern "aseptisch" oder "steril", heißt eine Entzündungsreaktion, die der Körper auf Grund einer Überlastung, nicht einer Infektion eingeleitet hat.
Diese "Epicondylitis" behandelt man in erster Linie mit Schonung. Weiter gibt es Spangen und Schienen, und man kann das ganze auch mit Kinesio-Tape angehen. Medikamentös wären die entzündungshemmenden Schmerzmittel Ibuprofen oder Diclofenac die Mittel der Wahl, man kann den Epicondylus aber auch mit Kortison anspritzen oder die Sehnen kerben (Hohmann'sche Operation), um die schmerzleitenden Nerven zu kappen. Das Ganze ist eine langwierige Sache, heilt aber meistens aus, wenn man genug Geduld hat. Das ist aber auch der Problempunkt: Viele Leute sind darauf angewiesen, am PC zu tippen. Wenn man das jeden Tag macht, hat man im Prinzip keine Chance, dass der Mist mal ausheilt. "Schonung" ist immer leichter gesagt als getan.

seearrowsfly

Danke für die ausführliche Antwort! Super!

AST

Wobei dann der "Tennisarm/ellenbogen" nicht wirklich durch zu hohe Zuggewichte ausgelöst wird.....
Bei individuell zu hohen Zuggewichten bekommt man eher Probleme mit den Schultern / Schultergelenken.

Ralf57

Ein ausserordentliches Dankeschön an Herrn Grau! :tu: :tu: :tu: :tu: :tu: :tu:

GENAU SO HAT ES MIR DER ARZT LETZTE WOCHE ERKLÄRT, NUR NICHT SO AUSFÜHRLICH!

Super-Forum hier! :)

Hat mit dem Zuggewicht nur insoweit zu tun, dass ich i.M. garnicht Bogenschießen kann, es sei denn, ich hätte mir xxxxain und Cortison reinspritzen lassen, was ich nicht wollte.

Erzebaer(PBH)

Zitat von: Herr Grau am 18.09.12, 02:10
Zitat von: Bertgeier am 18.09.12, 02:05
ICH KANN AN SEHNENSCHEIDENENTZÜNDUNG STERBEN?!?!?!?!?!??!! :eek:

Klar. Wenn dir einer nen Klavier annen Kopp schmeißt und Du wegen der Sehnenscheidenentzündung die rechte Hand zum Fangen nicht schnell genug hoch kriegst..  :green:

Wie meine Mutter zu sagen pflegte, wenn ich mit einer Blessur nach Hause kam und fragte ob das schlimm sei: Wenn Du damit unter die Straßenbahn kommst, ist das tödlich . . .

Also, der Threadsteller slbst schrieb, es geht darum, was man einem Anfänger raten sollte. Ich weiß nicht, was man rät, aber ich kann nur gebtsmühlenartig sagen: Nicht mit dem Zuggewicht übertreiben. In jungen Jahren hält der Körper wesentlich mehr aus, als Du denkst. Das Problem holt Dich aber meist später ein.
Ich für meinen Teil habe von 14 bis 22 bei meinem Dad im Getränkehandel gearbeitet und dabei nicht selten bis zu 100 30 oder 50l Fässer am tag im Kühlhaus gestapelt. Damals kein Problem. Mit 30 bekam ich die Quittung mit Rückenschmerzen.
Hör auf die Meinung der meisten hier und schieß lieber einen 40Pfund Bogen, der bei Deinem Auszug dann ca.46 hat und genieße das Bogenschießen lange.

LG
Patrick
wenige wissen vieles,
niemand weiß alles.
doch wollen so viele
alles besser wissen.

Dryad

@walta

Lungenkrebs für sich kann schon ziemlich tödlich sein, auch ohne Verbindung mit einer Sehnenscheidentzündung. :whistle:

Glück Auf
"Among the many misdeeds of the British rule in India, history will look upon the act of depriving a whole nation of arms, as the blackest." M.Ghandi

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